Zollfreigrenze für Pakete: EU streicht Limit – Preise steigen

Verbraucher müssen sich bald auf höhere Kosten beim Online-Shopping aus Nicht-EU-Ländern wie China oder den USA einstellen. Die Europäische Union plant nämlich, die bisherige Zollfreigrenze für Pakete mit geringem Wert abzuschaffen. Dadurch sollen Wettbewerbsvorteile für Händler außerhalb der EU beseitigt und die heimische Wirtschaft gestärkt werden.

Bisher galt eine Regelung, die Importe bis zu einem Warenwert von 150 Euro von Zollabgaben befreite. Diese großzügige Grenze führte jedoch vermehrt zu Problemen, denn viele Versender deklarierten den Wert ihrer Waren systematisch zu niedrig, um die Zollgebühren zu umgehen. Schätzungen zufolge war ein Großteil der als zollfrei deklarierten Sendungen falsch ausgezeichnet, weshalb dem Fiskus erhebliche Einnahmen entgingen.

So funktioniert die neue Zoll-Regelung

Die geplante Reform der EU-Zollunion sieht vor, die 150-Euro-Freigrenze vollständig zu streichen. Künftig müsste somit für jede importierte Ware eine Zollgebühr entrichtet werden, unabhängig von ihrem Wert. Allerdings soll die Abwicklung für Verbraucher vereinfacht werden, indem die Online-Plattformen direkt für die Erhebung und Abführung der anfallenden Einfuhrabgaben verantwortlich gemacht werden.

Dieses Vorgehen soll den Prozess für Käufer transparenter gestalten, denn der Endpreis inklusive aller Abgaben wäre bereits beim Kauf ersichtlich. Große Marktplätze wie Amazon oder eBay nutzen ein solches System bereits für die Einfuhrumsatzsteuer, die seit 2021 für alle Sendungen aus dem Nicht-EU-Ausland anfällt. Die neue Regelung würde dieses Prinzip also auf die Zollgebühren ausweiten.

Mehr Fairness und weniger Betrug durch die neue Zollfreigrenze für Pakete

Das primäre Ziel der EU-Kommission ist es, den Betrug mit falsch deklarierten Warenwerten zu beenden. Außerdem soll die Reform für fairere Wettbewerbsbedingungen zwischen europäischen und außereuropäischen Händlern sorgen. Europäische Unternehmen müssen auf ihre Produkte stets Mehrwertsteuer abführen und können daher preislich oft nicht mit der Konkurrenz aus Drittstaaten mithalten.

Durch den Wegfall der Zollfreigrenze für Pakete wird erwartet, dass sich dieser Wettbewerbsnachteil verringert. Zudem erhofft sich die EU durch die Maßnahme jährliche Mehreinnahmen in Milliardenhöhe. Die Umsetzung ist als Teil eines umfassenden Zollreformpakets geplant und könnte bereits in den kommenden Jahren schrittweise in Kraft treten.

Was Online-Käufer jetzt beachten sollten

Für Verbraucher bedeutet die Neuregelung, dass sich Schnäppchenkäufe bei Anbietern aus China, wie Temu oder Shein, künftig verteuern werden. Während bisher nur die Einfuhrumsatzsteuer anfiel, kommt bald zusätzlich eine Zollgebühr hinzu. Es wird daher umso wichtiger, vor der Bestellung die Gesamtkosten genau zu prüfen.

Plattformen, die ihre Waren direkt aus Nicht-EU-Lagern versenden, müssen die Zollabgaben direkt im Kaufprozess ausweisen. Dadurch behalten Kunden zwar den Überblick, müssen aber mit höheren Endpreisen rechnen. Versteckte Kosten durch nachträgliche Gebühren bei der Paketzustellung sollen so allerdings vermieden werden.