Appenzeller Bauernmalerei: Spanierin malt Schweizer Tradition

Die traditionelle Appenzeller Bauernmalerei ist tief in der Schweizer Kultur verwurzelt und bekannt für ihre idyllischen Darstellungen des ländlichen Lebens. Doch die Faszination für diese Kunstform reicht weit über die Landesgrenzen hinaus, wie das Beispiel der Künstlerin Susana Frehner zeigt. Obwohl sie im pulsierenden Barcelona zu Hause ist, widmet sie ihre Leidenschaft den detailreichen Szenen aus dem Appenzellerland.

Ihre Werke sind eine Brücke zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten: dem urbanen, warmen Spanien und der kleinteiligen, grünen Hügellandschaft der Ostschweiz. Diese Verbindung entstand durch ihre persönliche Geschichte, denn ihr Ehemann stammt ursprünglich aus Urnäsch. Während regelmäßiger Familienbesuche entdeckte Frehner nicht nur die Region, sondern auch ihre einzigartige künstlerische Tradition.

Von Barcelona ins Appenzellerland: Ein ungewöhnlicher Weg zur Kunst

Der Kontrast zwischen ihrer Heimatstadt Barcelona und dem Appenzellerland könnte kaum größer sein, dennoch fand Susana Frehner hier ihre künstlerische Berufung. Die Entscheidung, sich der Bauernmalerei zu widmen, war das Ergebnis wiederholter Aufenthalte in der Heimat ihres Mannes. Sie begann, die Eindrücke mit ihrer Kamera festzuhalten, wodurch die Fotografien zur Grundlage ihrer detailverliebten Gemälde wurden.

Ihre Kunstwerke sind daher keine Fantasiegebilde, sondern basieren auf realen Beobachtungen und Erlebnissen. Jeder Pinselstrich fängt ein Stück authentisches Appenzeller Leben ein, von den typischen Holzhäusern über die saftigen Wiesen bis hin zu den Kühen und den Menschen, die diese Landschaft prägen.

Was die traditionelle Appenzeller Bauernmalerei auszeichnet

Die Appenzeller Bauernmalerei gehört zur naiven Kunst, einem Stil, der sich durch eine einfache, oft kindlich wirkende Darstellung auszeichnet. Typischerweise stehen Szenen des bäuerlichen Alltags im Mittelpunkt, insbesondere der Alpaufzug. Dieses Ereignis, bei dem das Vieh im Frühling feierlich auf die Bergweiden getrieben wird, ist ein zentrales Motiv und spiegelt den Stolz und die Tradition der Region wider.

Charakteristisch sind die detailreichen Darstellungen von Tieren, Menschen in Tracht und den markanten Appenzeller Bauernhäusern. Die Maler legen dabei weniger Wert auf eine perspektivisch korrekte Wiedergabe, sondern vielmehr auf eine harmonische und erzählerische Komposition. Dadurch entsteht ein lebendiges Bild, das Geschichten von Gemeinschaft, Arbeit und dem Leben im Einklang mit der Natur erzählt.

Der kreative Prozess: Vom Foto zum fertigen Kunstwerk

Susana Frehners kreativer Prozess beginnt lange vor dem ersten Pinselstrich. Während ihrer Aufenthalte in der Schweiz sammelt sie unzählige visuelle Eindrücke und hält diese fotografisch fest. Diese Bilder dienen ihr später im Atelier als Vorlage und Inspirationsquelle, um die Szenen detailgetreu und gleichzeitig mit ihrer eigenen künstlerischen Handschrift umzusetzen.

Als Malgrund wählt sie bevorzugt Holz, was den rustikalen und traditionellen Charakter ihrer Werke zusätzlich unterstreicht. Mit Acrylfarben erweckt sie die Motive zum Leben, wobei sie großen Wert auf die Farbgebung und die feinen Details legt. Ein besonderer Ort für ihre kreative Arbeit ist das Ferienhaus der Familie in Plaffeien im Kanton Freiburg, wo sie in Ruhe malen kann.

Motive mit persönlicher Note und verwandte Traditionen

Neben den klassischen Motiven wie Landschaften und Alpaufzügen findet sich in Frehners Werken stets eine sehr persönliche Note. Sie integriert häufig ihre eigenen Enkelkinder in die gemalten Szenen und schafft so eine liebevolle Verbindung zwischen ihrer Familie und der Schweizer Tradition. Diese persönliche Ebene verleiht ihren Bildern eine besondere Wärme und macht sie einzigartig.

Interessanterweise hat auch ihr Malort Plaffeien eine eigene, der Appenzeller Bauernmalerei verwandte Kunsttradition. Im freiburgischen Sensebezirk werden ähnliche Darstellungen von Alpaufzügen als Poyas bezeichnet. Diese Bilder schmücken oft die Eingänge von Bauernhöfen und erzählen ebenfalls vom Leben der Bauern. Dadurch schließt sich für die Künstlerin ein Kreis zwischen zwei bedeutenden Regionen der Schweizer Volkskunst.

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