Die Parteiunabhängigen von Appenzell Ausserrhoden (PU AR) begrüssen das neue kantonale Energiekonzept Appenzell Ausserrhoden für die Jahre 2026 bis 2035 grundsätzlich. In einer differenzierten Stellungnahme im Rahmen der Vernehmlassung loben sie den Entwurf als ausgewogenen Mittelweg. Allerdings sehen sie in entscheidenden Bereichen noch deutlichen Nachbesserungsbedarf, damit die Energiewende im Kanton gelingen kann.
Was bezweckt das kantonale Energiekonzept?
Angesichts des fortschreitenden Klimawandels steht die Politik vor der Aufgabe, die Weichen für eine nachhaltige Zukunft zu stellen. Das kantonale Energiekonzept bildet dafür den strategischen Rahmen. Hauptziel ist es, den Ausstoss von Treibhausgasen, die für die Erderwärmung verantwortlich sind, deutlich zu senken. Dies soll durch verbindliche Ziele und klare Massnahmen erreicht werden.
Ein zentraler Baustein ist dabei die Energiewende, also der schrittweise Umstieg von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas auf erneuerbare Energien wie Sonne, Wind oder Biomasse. Dafür sind nicht nur Investitionen in neue Technologien notwendig, sondern auch der Ausbau der Stromnetze und die Entwicklung von Speichermöglichkeiten. Das Konzept soll sicherstellen, dass diese Transformation sozial ausgewogen und für alle tragbar gestaltet wird.
Grundsätzliche Zustimmung mit wichtigen Vorbehalten
Die Parteiunabhängigen bewerten das Konzept als wichtigen Schritt, der weder überambitioniert noch zu zögerlich ist. Sie betonen, dass es einen pragmatischen Spagat zwischen «zu viel wollen» und «zu wenig machen» darstellt. Dadurch werden sowohl reine Symbolpolitik als auch ein gefährlicher Stillstand vermieden, was die PU AR ausdrücklich positiv hervorhebt.
Ihrer Ansicht nach ist Klimaschutz keine private Zusatzaufgabe einzelner Bürgerinnen und Bürger, sondern eine politische Gestaltungsaufgabe. Daher sei es entscheidend, dass der Kanton klare und verlässliche Rahmenbedingungen schafft. Nur so können alle beteiligten Akteure – von Dienstleistern bis zur Bevölkerung – aktiv an der Umsetzung der Energiewende mitwirken.
Kritikpunkte am kantonalen Energiekonzept Appenzell Ausserrhoden
Obwohl die PU AR dem Energiekonzept inhaltlich zustimmen, formulieren sie mehrere konkrete Kritikpunkte, die für eine erfolgreiche Umsetzung entscheidend sind. Diese betreffen vor allem die Messgrössen, die Speicherung von Energie und die Einbindung der Bevölkerung.
- Fehlende Aussagekraft bei Zielgrössen: Die Kennzahl des Pro-Kopf-Energieverbrauchs wird befürwortet. Allerdings halten die Parteiunabhängigen den Pro-Kopf-Stromverbrauch für nur bedingt aussagekräftig. Wenn beispielsweise Haushalte von Ölheizungen auf Wärmepumpen umsteigen, sinkt der Gesamtenergieverbrauch, während der Stromverbrauch steigt. Ein höherer Stromverbrauch kann in diesem Fall also ein Zeichen für eine positive umweltpolitische Entwicklung sein, weshalb diese Kennzahl als alleiniges Ziel in die Irre führen könnte.
- Zu wenig Fokus auf Energiespeicher und Winterstrom: Erneuerbare Energien wie Solarstrom sind wetterabhängig. Daher ist die Speicherung von Energie entscheidend, um die Versorgungssicherheit auch nachts oder an sonnenarmen Tagen zu gewährleisten. Die Themen Energiespeicher, die Versorgung mit Winterstrom und der Umgang mit Verbrauchsspitzen kommen nach Ansicht der PU AR im Konzept deutlich zu kurz.
- Lokale Potenziale unzureichend berücksichtigt: Das Konzept vernachlässigt laut der Stellungnahme das Potenzial von lokalen Energiegemeinschaften. In solchen Gemeinschaften können beispielsweise Nachbarn den Strom ihrer Solaranlagen direkt untereinander nutzen und speichern. Dies würde nicht nur die Netze entlasten, sondern auch die lokale Wertschöpfung und die Akzeptanz für die Energiewende stärken.
Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Parteiunabhängigen ist die Kommunikation. Ein noch so gutes Konzept entfaltet seine Wirkung nur, wenn es bei den relevanten Akteuren bekannt ist und verstanden wird. Aus diesem Grund regen sie an, die Umsetzung des Energiekonzepts mit einer aktiven und durchgehenden Kommunikationsstrategie zu begleiten.
Diese Begleitung müsse auf allen staatlichen Ebenen stattfinden – also beim Bund, im Kanton und direkt in den Gemeinden. Nur durch eine transparente und verständliche Information können Dienstleister und die Bevölkerung für die anstehenden Veränderungen sensibilisiert und zur aktiven Teilnahme motiviert werden. Die PU AR sieht darin eine wesentliche Voraussetzung, um die gesteckten Ziele tatsächlich zu erreichen.
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