Im Kanton Appenzell Ausserrhoden spitzt sich die politische Auseinandersetzung vor der kommenden Nationalratswahl Appenzell Ausserrhoden zu. Während die Kandidierenden Jennifer Abderhalden (FDP) und Edgar Bischof (SVP) um den freiwerdenden Sitz in Bern werben, positionieren sich die Parteien und Verbände. Diese Entscheidungen geben der Wählerschaft wichtige Orientierungspunkte für den Urnengang am 8. März.
Parteien positionieren sich für Nationalratswahl Appenzell Ausserrhoden
Die EVP Appenzell Ausserrhoden hat beschlossen, keine Wahlempfehlung für die Nationalratswahl abzugeben. Nach der Prüfung beider Kandidaturen kam die Partei zum Schluss, dass die allgemeine politische Ausrichtung in beiden Fällen deutlich von zentralen EVP-Positionen abweicht. Daher könne man nicht davon ausgehen, dass die Interessen der Partei in Bern adäquat vertreten würden.
Anders positioniert sich die Grünliberale Partei (GLP), denn sie unterstützt Jennifer Abderhalden. Nach einem Hearing mit beiden Kandidierenden erhielt die FDP-Politikerin den grossmehrheitlichen Vorzug. Die GLP begründet ihren Entscheid damit, dass Abderhalden eher parteiübergreifende Kooperationen eingehen und somit auch GLP-Anliegen besser einbringen würde.
Die Mitte Appenzell Ausserrhoden verfolgt eine andere Strategie und empfiehlt sowohl Jennifer Abderhalden als auch Edgar Bischof zur Wahl. Die Partei betont die unterschiedlichen Kompetenzen und Perspektiven beider Kandidierenden. Dadurch wolle man der Wählerschaft eine echte Auswahl ermöglichen und vertraut auf deren Urteilskraft.
Auch der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden hat eine klare Empfehlung ausgesprochen und unterstützt Edgar Bischof. Seine Haltung zu verlässlichen Rahmenbedingungen für das Gewerbe, einer soliden Finanzpolitik sowie zum dualen Bildungssystem habe die Delegierten überzeugt. Außerdem unterstützt die SVP Vorderland einstimmig die Kandidatur von Edgar Bischof.
Parolen für nationale Abstimmungen gefasst
Parallel zur Nationalratswahl Appenzell Ausserrhoden haben die Parteien auch ihre Parolen für die nationalen Abstimmungen vom 8. März festgelegt. Die EVP lehnt die Individualbesteuerung aufgrund des hohen administrativen Aufwands und geringer Entlastung für einen Grossteil der Bevölkerung ab. Ebenfalls verworfen werden die SRG-Initiative sowie die Bargeldinitiative, wobei die Partei beim Bargeld den Gegenvorschlag unterstützt. Zustimmung findet hingegen die Klimafondsinitiative.
Die SVP Vorderland stimmt der Bargeld- und der SRG-Initiative zu, lehnt aber die Klimafonds-Initiative und die Individualbesteuerung ab. Im Gegensatz dazu befürwortet die GLP die Individualbesteuerung einstimmig, lehnt jedoch die SRG-Initiative, die Bargeld-Initiative und die Klimafonds-Initiative mehrheitlich ab.
Das Thema Individualbesteuerung wurde außerdem bei einer Veranstaltung der Frauenzentrale Appenzellerland in Teufen kontrovers diskutiert. Während Befürworterinnen die Stärkung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit betonten, warnten Gegnerinnen vor Nachteilen für Familien und administrativem Mehraufwand.
Entwicklungen in der Kommunal- und Kantonspolitik
In Appenzell Innerrhoden hat der Oberegger Grossrat Pius Federer seine Kandidatur für das Amt des Landammanns bekannt gegeben, nachdem Amtsinhaber Roland Dähler seinen Rücktritt angekündigt hatte. Der Vorstand des Kantonalen Gewerbeverbands unterstützt seine Kandidatur. Die Standeskommission hat unterdessen den zweiten Teil der Folgegesetzgebung zur neuen Kantonsverfassung an den Grossen Rat überwiesen, welcher unter anderem das Bürgerrechtsgesetz umfasst.
Personelle Wechsel beschäftigen auch die Gemeinden. In Trogen treten zwei Gemeinderätinnen zurück, woraufhin die SP Elisabeth Eugster als Kandidatin nominiert hat. In Heiden werden ebenfalls zwei Gemeinderatsmitglieder gesucht, wobei sich mit Marco Salanitri bereits ein erster Kandidat zur Verfügung stellt. In Gais empfehlen Pro Gais und die Arbeitnehmervereinigung Stefan Kern für das Gemeindepräsidium, während die FDP ihre bisherige Gemeinderätin Katja Pantaleo-Palancon unterstützt.
Wirtschaft, Bau und Infrastruktur im Appenzellerland
Die Arbeitslosenquote in Appenzell Ausserrhoden ist im Januar leicht auf 1,8 % gestiegen, während der Verband der Detailhändler in Appenzell mit Simona Köppel eine neue Präsidentin gewählt hat. Die Appenzeller Kantonalbank meldet derweil einen digitalen Meilenstein mit über 10’000 Twint-Nutzerinnen und -Nutzern.
In der Region werden zudem zahlreiche Bauprojekte vorangetrieben. In Appenzell geht das Projekt Bildungscampus in die nächste Phase, um betreutes Wohnen für junge Menschen in Ausbildung zu schaffen. Derweil erhält das Schulhaus Au in Urnäsch in einer zweiten Etappe unter anderem einen verbesserten Brandschutz, während in Teufen der Umbau der Demenzwohngruppe im Haus Lindenhügel sowie die Verlegung der Landhausstrasse erfolgreich unter dem budgetierten Kredit abgeschlossen wurden.
Das historische Haus Bächli in Teufen wurde erfolgreich in ein Ärztehaus umgewandelt, was die medizinische Grundversorgung stärkt. Die Gemeinde Urnäsch hat eine Kreditüberschreitung für die komplexe Testplanung zur Entwicklung des Bahnhofareals genehmigt, um eine fundierte Grundlage für die Neugestaltung zu schaffen.
Kultur, Brauchtum und gesellschaftliches Leben
Das kulturelle Leben im Appenzellerland zeigt sich vielfältig. Bei der Luzerner Fasnacht fiel eine Gruppe auf, die seit zehn Jahren als traditionelle Appenzeller auftritt. Die britische Sängerin Raye gedachte bei einem Konzert in Zürich emotional ihres verstorbenen Appenzeller Grossvaters. Im Museum Appenzell übernimmt Martina Obrecht ab November 2026 die alleinige Leitung, nachdem ihre Co-Leiterin in den Ruhestand tritt.
In Urnäsch stellte der Historiker Johannes Schläpfer sein neues Buch über den Brauch des «Bloch» vor. Die ukrainische Botschafterin Iryna Venediktova besuchte derweil das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, um sich über die Situation ukrainischer Schutzsuchender zu informieren. Am Stoss-Schiessen in Gais wurde zudem die obligatorische Verpflegung aufgehoben, wodurch die Teilnehmenden nun flexibler sind.
Sportliche Erfolge und Herausforderungen
Der Appenzeller Snowboarder Mischa Zürcher verpasste bei seinem Olympia-Debüt die Finalqualifikation in der Halfpipe. Nach zwei Stürzen zeigte sich der 17-Jährige selbstkritisch. Besser lief es für den Herisauer Langläufer Robin Locher, der beim Rothenthurmer Volksskilauf den dritten Platz erreichte und damit seine gute Form bestätigte.
Im Unihockey feierten die Frauen des UH Appenzell zwei Siege zum Abschluss der Grunddurchgangs, während die Herren gegen die Nesslau Sharks eine Niederlage hinnehmen mussten. Die Handballer des TV Appenzell siegten auswärts gegen den HSC Kreuzlingen, unterlagen jedoch im Spitzenspiel dem HC Arbon deutlich. Beim nationalen Hallenmeeting der Leichtathletik in St. Gallen überzeugten die Athletinnen und Athleten des TV Teufen mit zahlreichen Podestplätzen und persönlichen Bestleistungen.
Vermischte Meldungen aus der Region
Auf den Strassen von Appenzell Ausserrhoden ereigneten sich mehrere Verkehrsunfälle. In Lustmühle kam es zu einer Auffahrkollision, in Speicher stürzte ein Mofafahrer und in Herisau wurde eine E-Bike-Fahrerin bei einer Kollision im Kreisel leicht verletzt. Zu einem weiteren Unfall kam es in Teufen, wo ein alkoholisierter Fahrer die Airbags seines Fahrzeugs auslöste.
In Herisau entwendete eine unbekannte Täterschaft Bargeld aus einem Hofladen. Zudem kam es in der Nacht auf den 4. Februar zu mehreren Einbrüchen in Geschäfte und Fahrzeuge. In Appenzell wurde in drei Gastronomiebetriebe eingebrochen, wobei Bargeld in Höhe von mehreren hundert Franken gestohlen wurde.
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