Die Sozialregion Dorneck steht aktuell im Zentrum wachsender Kritik. Eine Petition fordert mehr Transparenz und eine externe Überprüfung der Organisation, denn der Unmut über die Kostenentwicklung und die Führungsstrukturen wächst in den angeschlossenen Gemeinden. Im Kern geht es um die Frage, ob das aktuelle Modell mit Dornach als Leitgemeinde noch zukunftsfähig ist.
Kernpunkte der Kritik: Steigende Kosten und fehlende Kontrolle
Eine von Matthias Herzog initiierte Petition fordert den Dornacher Gemeinderat auf, für mehr Durchsichtigkeit bei der Sozialregion zu sorgen. Konkret verlangt der Vorstoss eine regelmässige externe Evaluation, welche die Organisation und insbesondere die Kostenentwicklung analysiert. Herzog betont dabei, dass sich die Initiative nicht gegen die Sozialhilfe an sich richtet, sondern gegen mangelnde Transparenz und fehlende unabhängige Kontrollmechanismen.
Die finanzielle Entwicklung liefert den zentralen Anlass für diese Forderung, denn die Ausgaben sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Während der Geschäftsbericht für das Jahr 2020 noch Kosten von 6,8 Millionen Franken auswies, sieht das Budget für 2026 bereits Ausgaben in Höhe von 11,4 Millionen Franken vor. Eine externe Überprüfung soll deshalb Verbesserungspotenziale aufzeigen und eine sachliche Grundlage für zukünftige politische Entscheide schaffen.
Der Dornacher Gemeindepräsident Daniel Urech bestätigte, dass sich der Gemeinderat mit der Petition befassen wird. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Leitgemeinde kontinuierlich an Verbesserungen arbeite. So sei beispielsweise die Personalfluktuation gesunken und alle Stellen seien derzeit besetzt, was für einen stabilen Betrieb essenziell ist.
Das Modell der Leitgemeinde auf dem Prüfstand
Besonders das Konstrukt der Leitgemeinde, bei dem Dornach die Führung der Sozialregion innehat, sorgt für Unzufriedenheit bei den Partnerkommunen. Vertreter anderer Gemeinden empfinden ihr Mitspracherecht als unzureichend. Thomas Bürgi, Gemeindepräsident von Rodersdorf, bezeichnet die Struktur als unglücklich, da die angeschlossenen Gemeinden gesetzlich gebunden und letztlich gezwungen seien, die Entscheidungen Dornachs zu akzeptieren.
Dieser Unmut ist nicht neu. Laut Doris Weisskopf, Gemeindepräsidentin von Witterswil, haben die angeschlossenen Gemeinden bereits mehrfach eine Analyse der Strukturen und Abläufe angeregt. Diese Vorstösse wurden jedoch wiederholt vertröstet. Zunächst wurde auf eine anstehende Neubesetzung der Führung verwiesen, später argumentierte man, die neue Leitung müsse sich erst einarbeiten, bevor eine externe Evaluation sinnvoll sei.
Geplante Umstrukturierung und die Rolle des Kantons
Der Gemeinderat von Dornach hat inzwischen reagiert und angekündigt, eine mögliche Umstrukturierung der Sozialregion zu prüfen. Im Rahmen seiner Legislaturziele ist für das Jahr 2027 eine Analyse vorgesehen, ob das Modell der Leitgemeinde durch einen Zweckverband ersetzt werden könnte. Ein Zweckverband ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft, in der die beteiligten Gemeinden typischerweise gleichberechtigter zusammenarbeiten.
Der Kanton Solothurn sieht die Verantwortung für solche Optimierungen klar bei den Gemeinden selbst. Sandro Müller, Chef des kantonalen Amtes für Gesellschaft und Soziales, erklärte, dass der Kanton zwar fachliche Kontrollaufgaben wahrnehme, aber keine generelle Steuerungsfunktion besitze. Wenn es um das Sparen gehe, seien die Einwohnergemeinden in der Pflicht. Effiziente Prozesse und klare Hilfspläne könnten die Kosten nachhaltig senken, indem sie Menschen erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren und somit von der Sozialhilfe ablösen.
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