Die geplante Umstellung der Busflotte auf umweltfreundliche Antriebe stellt die Stadt St. Gallen vor erhebliche Schwierigkeiten. Die Beschaffung von Elektrobussen gestaltet sich komplizierter und zeitaufwendiger als erwartet, weshalb nun aus den Erfahrungen anderer Städte gelernt werden soll. Verschiedene Rückschläge verdeutlichen die Komplexität solcher Grossprojekte im öffentlichen Verkehr.
Die Umsetzung der Elektrifizierungsstrategie stockt gleich an mehreren Fronten. So verzögerte sich die Montage neuer Oberleitungen, weil sich einige Hauseigentümer weigerten, die notwendigen Aufhängungen an ihren Fassaden anbringen zu lassen. Dadurch konnte die Infrastruktur nicht wie geplant ausgebaut werden, was den Einsatz von Trolleybussen einschränkte.
Gescheiterter Vertrag und die Folgen
Besonders gravierend war jedoch ein Rückschlag bei der Anschaffung neuer Batteriebusse. Die Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) hatten im Februar 2024 einen Vertrag über die Lieferung von zwölf Batteriebussen mit der niederländischen Spezialistin Ebusco geschlossen. Die Auslieferung der Fahrzeuge sollte ursprünglich ab Frühling 2025 erfolgen, wodurch die Linien 9, 10 und 11 vollständig elektrifiziert worden wären.
Allerdings geriet die Lieferfirma im Laufe des Jahres in wirtschaftliche Schwierigkeiten, weshalb sie ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Infolgedessen sahen sich die VBSG gezwungen, den Vertrag Ende 2024 aufzulösen und die Ausschreibung zu wiederholen. Bis zur Lieferung neuer Busse von einem anderen Hersteller müssen die betroffenen Linien daher weiterhin mit Dieselfahrzeugen betrieben werden.
Lehren aus Zürich für die Beschaffung der Elektrobusse in St. Gallen
Diese wiederholten Probleme haben nun auch die lokale Politik alarmiert. Der Mitte-Politiker Hans Peter Arpagaus hat im St. Galler Stadtparlament einen politischen Vorstoss in Form einer Einfachen Anfrage eingereicht. Sein Ziel ist es, die technische Absicherung bei der Beschaffung von Elektrobussen zu verbessern und aus den Fehlern anderer Städte zu lernen.
In seiner Begründung verweist Arpagaus konkret auf die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Dort kam es bei der Einführung neuer Elektro- und Trolleybusse zu erheblichen Lieferverzögerungen und technischen Mängeln. Insbesondere die geringe Verfügbarkeit der neuen Fahrzeuge sowie Probleme mit den Systemen für das Energie- und Lademanagement sorgten in Zürich für Schwierigkeiten.
Konkrete Forderungen an den Stadtrat
Um ähnliche Szenarien in St. Gallen zu vermeiden, fordert Arpagaus vom Stadtrat konkrete Auskünfte. Er möchte wissen, wie die Erfahrungen anderer Städte in die Bewertung von Angeboten, die Vergabeentscheide und die Vertragsgestaltung einfliessen. Außerdem verlangt er detaillierte Informationen über die technischen Anforderungen und Abnahmekriterien für die neuen St. Galler Elektrobusse.
Dabei stehen mehrere Schlüsselfaktoren im Mittelpunkt, die für einen reibungslosen Betrieb entscheidend sind:
- Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit: Wie wird sichergestellt, dass die Busse im täglichen Betrieb einsatzbereit sind?
- Energiemanagement: Welche Anforderungen gelten für die Ladesysteme und die Effizienz der Fahrzeuge?
- Reifegrad der Software: Wie wird die Stabilität und Funktionalität der Steuerungssoftware geprüft?
- Praxistauglichkeit: In welchem Umfang werden die Fahrzeuge vor der endgültigen Abnahme unter realen Bedingungen getestet?
Die Anfrage zielt darauf ab, zukünftige Beschaffungsprozesse transparenter und technisch fundierter zu gestalten. Eine sorgfältige technische Prüfung und klare vertragliche Regelungen sind daher für die zukünftige Beschaffung von Elektrobussen in St. Gallen entscheidend, um weitere kostspielige Verzögerungen zu verhindern.
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