Die Golfwelt blickt gespannt auf die neue Saison, doch eine Entscheidung des Official World Golf Rankings (OWGR) sorgt für erhebliche Diskussionen. Erstmals sollen Spieler der LIV Golf Tour Punkte für die Weltrangliste erhalten, allerdings ist diese Neuerung an strenge Bedingungen geknüpft, was die Debatte um die LIV Golf Weltranglistenpunkte sofort entfacht hat. Insbesondere der zweifache Major-Sieger Jon Rahm äußert scharfe Kritik und bezeichnet die Regelung als unfair, obwohl er die grundsätzliche Anerkennung der Tour durch das Gremium begrüßt.
Die Kontroverse entzündet sich an der Art und Weise, wie die Punkte vergeben werden. Diese sind für die Spieler von enormer Bedeutung, da sie über die Qualifikation für die vier großen Major-Turniere und andere prestigeträchtige Events entscheiden. Ein Abfall in der Rangliste kann daher weitreichende sportliche und finanzielle Konsequenzen haben.
Die neue Regelung für LIV Golf Weltranglistenpunkte
Das zuständige Gremium, das die offizielle Weltrangliste im professionellen Herrengolf verwaltet, hat entschieden, die von Saudi-Arabien finanzierte LIV Tour in sein System aufzunehmen. Die entscheidende Einschränkung ist jedoch, dass ausschließlich die Top-10-Platzierten eines jeden Turniers Punkte erhalten. Dadurch unterscheidet sich die LIV Tour maßgeblich von den 24 anderen anerkannten professionellen Männertouren weltweit.
Auf diesen etablierten Touren, wie beispielsweise der PGA Tour oder der DP World Tour, sammeln üblicherweise alle Spieler Punkte, die den sogenannten Cut überstehen, also die Qualifikation für die Finalrunden schaffen. Die neue Regelung für die LIV Tour stellt somit eine deutliche Abweichung von der gängigen Praxis dar und behandelt die Serie anders als ihre Konkurrenten.
Rahms Kritik: Eine Frage der sportlichen Fairness
Jon Rahm, einer der prominentesten Neuzugänge der LIV Tour, sieht in der Entscheidung zwar einen wichtigen ersten Schritt. Er betont, dass es „fantastisch“ sei, endlich eine Form der Anerkennung zu erhalten. Gleichzeitig kritisiert er jedoch die ungleiche Behandlung im Vergleich zu anderen Turnierserien, denn die bestehenden Regeln scheinen für die LIV Tour nicht in gleichem Maße zu gelten.
Der Spanier argumentiert, dass die Begrenzung auf zehn Spieler unfair sei, während Turniere mit ähnlich kleinen Teilnehmerfeldern auf anderen Touren allen Spielern Punkte gewähren. Besonders problematisch sei der mathematische Effekt: Ein elfter Platz komme nun einem verpassten Cut gleich. Während keine Punkte hinzukommen, erhöht sich der Divisor zur Berechnung des Punktedurchschnitts, was paradoxerweise zu einem Verlust von Weltranglistenplätzen führen kann, anstatt diese zu verbessern.
Rahm ist dankbar, dass die LIV Tour „einen Fuß in der Tür hat“, betont aber, dass noch viel Arbeit nötig sei, um als vollwertige Tour anerkannt zu werden. Die aktuelle Lösung könnte für einige Spieler mehr Nachteile als Vorteile bringen.
Die Hintergründe der OWGR-Entscheidung
Das OWGR-Gremium begründet seine restriktive Haltung damit, dass die LIV Golf Tour in mehreren Bereichen nicht die festgelegten Kriterien für eine vollständige Anerkennung erfüllt. Einer der Hauptkritikpunkte ist die durchschnittliche Größe des Teilnehmerfeldes, die 2026 bei 57 Spielern liegt, während die Regularien ein Minimum von 75 vorsehen.
Außerdem bemängelt das Gremium das Rekrutierungsmodell der Tour. Viele Spieler würden direkt eingeladen und verpflichtet, anstatt sich ihren Platz durch sportliche Qualifikation zu verdienen, wie es auf anderen Touren üblich ist. Die LIV Tour weist diese Argumentation jedoch zurück und bezeichnet die Haltung des OWGR als „beispiellos“.
Als Gegenargument führt die Tour Beispiele wie die Hero World Challenge (20 Spieler) oder die hochdotierten Playoff-Events der PGA Tour an. Diese Turniere haben ebenfalls kleine Felder und keinen Cut, vergeben aber dennoch an alle Teilnehmer Weltranglistenpunkte. Aus Sicht der LIV-Verantwortlichen wird hier mit zweierlei Maß gemessen.
Aktuelles vom Saisonauftakt in Riad
Die hitzige Debatte fand direkt zum Saisonauftakt der LIV Tour in Riad statt, wo Jon Rahm seine kritischen Anmerkungen machte. Sportlich zeigte er eine starke Leistung und lag nach der ersten Runde mit fünf unter Par in einer Gruppe auf dem geteilten vierten Platz. Auch sein europäischer Ryder-Cup-Kollege Tyrrell Hatton, ebenfalls ein Neuzugang, startete erfolgreich in das Turnier.
An die Spitze des Feldes setzte sich der Belgier Thomas Detry, der bei seinem Debüt eine fehlerfreie Runde von 65 Schlägen spielte und sich die Führung mit dem Amerikaner Peter Uihlein teilte. Das Event in Saudi-Arabien markiert zudem eine wichtige sportliche Veränderung für die Tour, denn die Turniere werden ab sofort über 72 Löcher ausgetragen und nicht mehr wie bisher über 54.
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