Horses Epic Games Streit: Entwickler erhebt schwere Vorwürfe

Die Kontroverse um das Horrorspiel Horses zwischen dem Entwicklerstudio Santa Ragione und Epic Games gewinnt an Schärfe. Nachdem das Spiel von der Verkaufsplattform Epic Games Store entfernt wurde, wirft das italienische Studio dem Konzern nun Falschaussagen und mangelnde Kommunikation vor. Epic Games weist diese Vorwürfe entschieden zurück und beharrt darauf, dass das Spiel gegen die eigenen Inhaltsrichtlinien verstößt.

Diese Auseinandersetzung stellt für das kleine Entwicklerteam eine erhebliche Belastung dar, denn es fürchtet um seine wirtschaftliche Zukunft. Währenddessen verteidigt Epic Games seine Entscheidung als konsequente Anwendung der eigenen Plattformregeln. Die Situation verdeutlicht somit die Macht der großen Vertriebsplattformen und die Abhängigkeit kleinerer Studios.

Hintergründe des Konflikts

Der Streit eskalierte, nachdem Steve Allison, ein Vizepräsident von Epic Games, in einem Interview die Arbeit von Santa Ragione lobte. Diese Aussage veranlasste das Studio zu einer öffentlichen Reaktion, da es sich von dem Konzern im Stich gelassen fühlte. Zuvor hatte bereits die Plattform Steam dem Spiel die Aufnahme verweigert, weshalb die Entscheidung von Epic für das Studio ein weiterer schwerer Schlag war.

Santa Ragione erklärte daraufhin, dass Epic die Kommunikation quasi eingestellt habe, ein Vorgehen, das oft als „Ghosting“ bezeichnet wird. Dieser Vorwurf wiegt besonders schwer, weil das Studio nach eigenen Angaben auf eine klare Begründung für die Ablehnung angewiesen war. Ohne konkretes Feedback ist es für Entwickler schwierig, problematische Inhalte zu überarbeiten oder zukünftige Projekte besser an die Richtlinien anzupassen.

Schwere Vorwürfe von Entwickler Santa Ragione

Das Entwicklerstudio erhebt mehrere konkrete Anschuldigungen gegen Epic Games. In einer Stellungnahme behauptet Santa Ragione, der Konzern habe nachweislich falsche Aussagen über die Inhalte des Spiels getroffen. Außerdem weigere sich Epic, detaillierte Belege für diese Behauptungen vorzulegen, was eine transparente Aufklärung verhindert.

Ein zentraler Punkt des Streits ist ein angeblich erstelltes IARC-Zertifikat. Die International Age Rating Coalition (IARC) ist ein System zur Alterseinstufung von digitalen Spielen und Apps. Epic Games gab an, intern eine Prüfung durchgeführt zu haben, die zu einer „Adults Only“ (AO) Bewertung führte. Santa Ragione kritisiert jedoch, dass ihnen dieses Zertifikat nie vorgelegt wurde. Normalerweise enthält ein solches Dokument einen Link, über den Entwickler Einspruch einlegen können. Das Studio argumentiert zudem, dass das Spiel keine AO-Einstufung verdiene, was vollständige Spieldurchläufe auf Plattformen wie YouTube und Twitch belegen würden. Auch der Vertrieb über den Humble Store zeige, dass die Inhalte nicht so extrem seien.

Epic Games weist die Anschuldigungen zurück

Epic Games widerspricht der Darstellung von Santa Ragione vehement. Laut Brian Sharon, einem Kommunikationsmanager des Unternehmens, hat ein internes Team das Spiel geprüft und dabei Verstöße gegen die Inhaltsrichtlinien des Epic Games Store festgestellt. Insbesondere die Richtlinien zu „unangemessenen Inhalten“ sowie „hasserfüllten oder missbräuchlichen Inhalten“ seien verletzt worden.

Um diese Einschätzung zu untermauern, füllte Epic nach eigenen Angaben selbst den Bewertungsfragebogen für das Spiel aus, woraus sich die AO-Einstufung ergab. Spiele mit einer solchen Bewertung sind auf der Plattform grundsätzlich nicht zugelassen. Epic betont allerdings, dass es sich hierbei nicht um eine offizielle Einreichung handelte. Deshalb könne man dem Entwicklerteam auch kein offizielles Zertifikat zur Verfügung stellen. Dennoch habe man Santa Ragione den Kontext der Entscheidung und die verletzten Richtlinien erläutert. Ein anschließender Einspruch der Entwickler wurde geprüft, doch die ursprüngliche Entscheidung blieb bestehen.

Finanzielle Folgen und die Zukunft des Studios

Trotz der Verbannung von den beiden größten PC-Spieleplattformen konnte Horses beachtliche Erfolge erzielen. Bis Mitte Dezember wurden über 18.000 Exemplare verkauft, was einen Nettoumsatz von rund 65.000 US-Dollar generierte. Dieses Ergebnis kam vor allem durch die große mediale Berichterstattung über die Verbote, die öffentliche Unterstützung durch die Plattform GOG und sehr positive Reaktionen der Spieler zustande.

Diese Einnahmen reichten zwar aus, um Lizenzgebühren zu zahlen und Kredite zu begleichen. Allerdings ist die Summe laut dem Studio nicht hoch genug, um die langfristige Zukunft von Santa Ragione zu sichern. Der Fall zeigt eindrücklich, wie abhängig Indie-Entwickler vom Zugang zu den großen digitalen Marktplätzen sind und welche existenziellen Folgen ein Ausschluss haben kann.

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