Der Jahresauftakt brachte der europäischen Tech-Szene gleich fünf neue europäische Unicorns. Investoren bewerteten diese Start-ups mit über einer Milliarde US-Dollar und setzten damit ein starkes Zeichen. Denn das aktuelle Wirtschaftsklima gilt als herausfordernd, weshalb solche Finanzierungsrunden besondere Aufmerksamkeit erhalten.
Bei der Zählung wird eine breite Definition des Begriffs „europäisch“ verwendet. Einige dieser Unternehmen haben ihren Hauptsitz zwar außerhalb Europas, besitzen jedoch starke Wurzeln oder wesentliche Unternehmensteile auf dem Kontinent. Diese Praxis ist üblich, solange es keine einheitliche europäische Unternehmensstruktur gibt.
Die neuen Milliarden-Start-ups im Detail
Die frisch gekürten Unicorns stammen aus unterschiedlichen Branchen, von Cybersicherheit über Cloud-Optimierung bis hin zu Verteidigungstechnologie. Jedes von ihnen hat durch bedeutende Investitionen die Schwelle von einer Milliarde US-Dollar überschritten.
Aikido Security: Cybersicherheit aus Belgien
Das belgische Cybersicherheits-Start-up Aikido Security erreichte den Unicorn-Status durch eine Finanzierungsrunde der Serie B in Höhe von 60 Millionen US-Dollar. Dadurch stieg die Bewertung des Unternehmens auf genau eine Milliarde US-Dollar. Führender Investor war DST Global, während auch andere namhafte Kapitalgeber wie PSG Equity und Singular teilnahmen.
Aikido entwickelt eine Plattform, die die Sicherheit über den gesamten Lebenszyklus von Software hinweg vereinheitlichen soll. Nach eigenen Angaben nutzen bereits über 100.000 Teams weltweit diese Lösung. Außerdem meldete das Unternehmen im letzten Jahr ein fünffaches Umsatzwachstum, während sich die Kundenzahl fast verdreifachte.
Cast AI: Cloud-Optimierung mit litauischen Wurzeln
Cast AI hat seinen Hauptsitz zwar in Florida, besitzt jedoch starke litauische Wurzeln und einen wichtigen Standort in Vilnius. Deshalb wird das Unternehmen oft als fünftes Unicorn Litauens betrachtet. Die Firma spezialisiert sich auf die Optimierung von Cloud-Infrastrukturen, was Unternehmen hilft, ihre Kosten zu senken.
Ein strategisches Investment von Pacific Alliance Ventures (PAV) sorgte dafür, dass die Bewertung von Cast AI die Marke von einer Milliarde US-Dollar überschritt. Gleichzeitig mit der neuen Finanzierung führte das Unternehmen eine Lösung namens OMNI Compute for AI ein. Diese Technologie soll es Anwendern ermöglichen, KI-Anwendungen auf weniger Grafikprozessoren (GPUs) effizienter zu betreiben.
Harmattan AI: Französische Verteidigungstechnologie auf dem Vormarsch
Besonders beeindruckend ist der Aufstieg von Harmattan AI aus Frankreich. Das Unternehmen für Verteidigungstechnologie wurde erst 2024 gegründet, allerdings wird es schon jetzt mit 1,4 Milliarden US-Dollar bewertet. Eine Serie-B-Finanzierungsrunde über 200 Millionen US-Dollar, angeführt vom Flugzeughersteller Dassault Aviation, ermöglichte diesen Sprung.
Die Partnerschaft mit Dassault Aviation ist für Harmattan AI strategisch wichtig. Zuvor hatte das Start-up bereits Verträge mit den Verteidigungsministerien Frankreichs und Großbritanniens sowie mit einem ukrainischen Drohnenhersteller geschlossen. Das Interesse an autonomen Verteidigungssystemen wächst stetig, wovon das junge Unternehmen stark profitiert.
Osapiens: ESG-Software aus Deutschland wird zum Unicorn
Auch Deutschland ist mit einem neuen Unicorn vertreten: Die Mannheimer Firma Osapiens sicherte sich 100 Millionen US-Dollar in einer Serie-C-Finanzierungsrunde. Dadurch stieg die Bewertung auf über 1,1 Milliarden US-Dollar. Die Investition wurde von Decarbonization Partners angeführt, einem Gemeinschaftsunternehmen von BlackRock und Temasek.
Osapiens bietet Software für den ESG-Bereich an. ESG steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Die Plattform hilft weltweit über 2.400 Kunden dabei, Nachhaltigkeitsberichte zu erstellen, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und Risiken in ihren Lieferketten zu minimieren.
Preply: Ukrainische Widerstandsfähigkeit im Bildungssektor
Der Marktplatz für Sprachunterricht Preply ist nach 14 Jahren ebenfalls zum Unicorn aufgestiegen und wird nun mit 1,2 Milliarden US-Dollar bewertet. Obwohl das Unternehmen in den USA gegründet wurde, sind seine Gründer Ukrainer. Preply beschäftigt zudem ein Team von 150 Mitarbeitern in der Ukraine, weshalb der Erfolg auch als Symbol für ukrainische Widerstandsfähigkeit gilt.
Mit den Einnahmen aus der jüngsten Finanzierungsrunde über 150 Millionen US-Dollar plant das Unternehmen, verstärkt in künstliche Intelligenz (KI) zu investieren. Laut CEO Kirill Bigai soll KI das Sprachenlernen weiter verbessern. Dafür stellt Preply neue KI-Experten für seine Standorte in Barcelona, London, New York und Kyjiw ein.
Bewertung vs. Erfolg: Ein wichtiger Unterschied
Eine hohe Unternehmensbewertung ist nicht automatisch mit wirtschaftlichem Erfolg gleichzusetzen. Ob alle diese jungen Unternehmen langfristig erfolgreich sein werden, muss sich erst noch zeigen. Dennoch ist der Unicorn-Status ein bedeutendes Signal im aktuellen Marktumfeld.
Er zeigt, dass Risikokapitalgeber großes Vertrauen in die Geschäftsmodelle und das Wachstumspotenzial der neue europäische Unicorns haben. Diese Investitionen lenken die Aufmerksamkeit auf Sektoren, in denen Investoren derzeit die größten Chancen sehen.
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