Das slowakische Unternehmen Tachyum verspricht seit Jahren einen revolutionären Prozessor, allerdings verzögert sich die Auslieferung des sogenannten Prodigy-Chips immer wieder. Statt eines fertigen Produkts präsentiert die Firma regelmäßig neue, immer leistungsfähigere Konzepte, weshalb Zweifel an der Umsetzbarkeit lauter werden. Diese Entwicklung wirft Fragen auf, zumal öffentliche Fördergelder in das Projekt fließen.
Ursprünglich sollte der Prozessor eine Universallösung für verschiedene Anwendungsbereiche wie Cloud-Computing, künstliche Intelligenz (KI) und Hochleistungsrechnen (HPC) sein. Ein solcher Chip soll als Allzweck-Prozessor die Aufgaben von CPUs, die vor allem für allgemeine Berechnungen zuständig sind, und GPUs, die auf grafische und parallele Prozesse spezialisiert sind, in einem Bauteil vereinen. Dadurch könnten Rechenzentren ihre Effizienz steigern und Kosten senken.
Die Entwicklung der Tachyum Prodigy Chip Verspätung
Seit der ersten Ankündigung hat Tachyum die technischen Spezifikationen seines Wunderchips mehrfach drastisch verändert und nach oben korrigiert. Während anfangs von einem einzelnen Chip mit 192 Kernen die Rede war, spricht das Unternehmen mittlerweile von einem System aus mehreren Chiplets. Diese kleineren, spezialisierten Chips sollen zusammenarbeiten und eine enorme Rechenleistung ermöglichen, die selbst angekündigte Produkte von Marktführern wie Nvidia bei Weitem übertreffen soll.
Die Pläne wurden dabei immer wieder angepasst und die versprochene Leistung erhöht. Beispielsweise wechselte Tachyum in den Ankündigungen den Herstellungsprozess auf eine modernere 2-Nanometer-Fertigung und vervielfachte die Anzahl der Rechenkerne auf über tausend pro System. Solche fundamentalen Änderungen im Designprozess sind ungewöhnlich und führen in der Branche zu Skepsis, denn sie werfen die Entwicklung normalerweise um Jahre zurück.
Trotz der wiederholten Ankündigungen und Verschiebungen hat Tachyum bisher nur einen FPGA-Prototypen vorgestellt. Ein FPGA (Field Programmable Gate Array) ist ein programmierbarer Chip, mit dem sich die Funktionsweise eines späteren, festen Chips simulieren lässt. Er ist jedoch kein fertiger Prozessor und beweist nicht die endgültige Leistungsfähigkeit oder Effizienz des geplanten Produkts.
Warum die Versprechen unrealistisch erscheinen
Experten äußern erhebliche Zweifel an den Darstellungen von Tachyum, da die versprochenen Leistungsdaten physikalischen und technischen Grundlagen zu widersprechen scheinen. So müsste für ein System mit 1.024 Kernen und einer angegebenen thermischen Designleistung (TDP) von 1.600 Watt eine extrem komplexe und bisher nicht existierende Kühllösung entwickelt werden. Zum Vergleich: Selbst aktuelle High-End-Systeme von etablierten Herstellern haben Mühe, die Wärmeentwicklung bei deutlich geringeren Werten in den Griff zu bekommen.
Außerdem kündigt das Unternehmen die Unterstützung von Technologien an, die selbst noch in der Entwicklung sind, wie etwa extrem schnelle DDR5-Speichermodule, die laut offiziellen Roadmaps erst in einigen Jahren verfügbar sein werden. Diese Diskrepanz zwischen den Versprechen und dem realisierbaren Stand der Technik nährt die Kritik. Es entsteht der Eindruck, dass das Unternehmen eher Marketing betreibt als ein greifbares Produkt zu entwickeln.
Fördergelder und die Rolle der EU
Besonders kritisch wird die Situation dadurch, dass Tachyum erhebliche finanzielle Mittel, darunter auch EU-Fördergelder, erhalten hat. Insgesamt sollen bereits mehrere hundert Millionen US-Dollar in das Unternehmen geflossen sein, ohne dass ein marktreifes Produkt vorliegt. Dieses Vorgehen wirft die Frage auf, warum öffentliche Gelder in ein Projekt investiert werden, dessen Versprechen von vielen Fachleuten als unglaubwürdig eingestuft werden.
Die Causa Tachyum steht damit beispielhaft für die Herausforderung, visionäre Technologieprojekte zu fördern, während gleichzeitig die Plausibilität und Machbarkeit sichergestellt werden müssen. Die fortlaufenden Verzögerungen und die immer fantastischer werdenden Ankündigungen haben dem Ansehen des Unternehmens geschadet, weshalb die Zukunft des Prodigy-Chips ungewisser denn je ist.
