Die Ukraine scheint eine neue Methode entwickelt zu haben, um russische Hyperschallraketen vom Typ Kinschal abzuwehren. Berichten zufolge gelingt die Störung der Kinschal-Raketen durch den Einsatz von elektronischer Kriegsführung, wodurch die teuren und als „unaufhaltsam“ geltenden Waffen ihr Ziel verfehlen. Dies stellt einen bemerkenswerten Wandel in der Luftverteidigung dar, denn bisher galten solche Raketen als schwer abfangbar.
Funktionsweise der Kinschal-Rakete
Die Kinschal, auf Deutsch „Dolch“, ist eine luftgestützte Hyperschallrakete. Hyperschall bedeutet, dass sie mehr als die fünffache Schallgeschwindigkeit erreicht, also über 6.000 km/h schnell ist. Ein Kampfflugzeug, meist eine MiG-31K, trägt die Rakete in große Höhen und feuert sie von dort ab. Anschließend folgt die Rakete einer flachen Flugbahn, während sie mit extremer Geschwindigkeit auf ihr Ziel zusteuert und dabei manövrieren kann, was eine Abwehr erschwert.
Für die präzise Zielerfassung nutzt die Kinschal ein Satellitennavigationssystem, ähnlich dem bekannten GPS. Dieses System empfängt Signale von Satelliten, um seine Position exakt zu bestimmen und den Kurs entsprechend anzupassen. Genau an dieser Stelle setzt die ukrainische Verteidigungsstrategie an, denn die Abhängigkeit von Satellitensignalen macht die Rakete verwundbar.
Wie die elektronische Störung der Kinschal-Raketen funktioniert
Die ukrainischen Streitkräfte setzen offenbar auf sogenanntes „Spoofing“, eine Technik der elektronischen Kriegsführung. Dabei werden falsche Satellitensignale ausgestrahlt, die die echten Signale überlagern oder verfälschen. Das Navigationssystem der Rakete wird dadurch getäuscht und erhält fehlerhafte Standortinformationen.
Infolgedessen berechnet die Rakete einen falschen Kurs und fliegt am eigentlichen Ziel vorbei. Berichten zufolge landeten einige Kinschal-Raketen deshalb auf freiem Feld, weit entfernt von den geplanten militärischen oder infrastrukturellen Zielen. Diese Methode ist deutlich kostengünstiger als der Einsatz von teuren Abfangraketen wie denen des Patriot-Systems, die pro Schuss mehrere Millionen Euro kosten.
Bedeutung für die moderne Kriegsführung
Die erfolgreiche Anwendung von Störtechniken gegen Hyperschallwaffen zeigt eine wichtige Entwicklung auf. Während in der Vergangenheit vor allem die physische Abwehr durch Abfangraketen im Vordergrund stand, gewinnt die elektronische Kampfführung zunehmend an Bedeutung. Sie erfordert zwar hochentwickelte Technologie und präzise Kenntnisse über die Waffensysteme des Gegners, ist aber im Einsatz flexibler und ressourcenschonender.
Allerdings ist es wahrscheinlich, dass Russland versuchen wird, seine Raketentechnologie anzupassen, um sie gegen solche Störmaßnahmen unempfindlicher zu machen. Denkbar sind beispielsweise verbesserte Empfänger, die gefälschte Signale erkennen können, oder die zusätzliche Nutzung alternativer Navigationssysteme. Es zeichnet sich daher ein kontinuierlicher Wettlauf zwischen Angriffs- und Verteidigungstechnologien ab.
