Stellwerktechnik der Bahn: Wie Züge sicher gesteuert werden

Für einen pünktlichen und sicheren Bahnbetrieb arbeiten im Hintergrund komplexe Systeme, die Weichen und Signale steuern. Diese sogenannten Stellwerke sind das Rückgrat des Schienenverkehrs, obwohl sie für Reisende meist unsichtbar bleiben. Die heutige Stellwerk Technik ist dabei eine faszinierende Mischung aus bewährter analoger Technologie der 1960er-Jahre und modernen digitalen Steuerungszentralen, die zuverlässig zusammenarbeiten.

Ohne diese unscheinbaren Helfer wäre ein geordneter Zugverkehr undenkbar, denn sie garantieren, dass jeder Zug zur richtigen Zeit auf dem richtigen Gleis fährt und Kollisionen vermieden werden.

Von Muskelkraft zu elektrischen Impulsen: Die Entwicklung der Stellwerke

Früher war die Steuerung der Züge reine Handarbeit. In mechanischen Stellwerken, auch Hebel-Stellwerke genannt, zogen Bahnhofsvorstände an großen, farbigen Hebeln, um Weichen per Drahtseil oder Gestänge umzustellen. Dieses System verfügte bereits über eine ausgeklügelte mechanische Sicherung, die menschliche Fehler verhinderte, denn eine fehlerhafte Bedienung war blockiert.

Nur wenn alle Weichen für eine bestimmte Route, die sogenannte Fahrstraße, korrekt eingestellt waren, konnte der Verantwortliche das Signal für den Zug freigeben. Gleichzeitig verriegelte das System die Weichen, sodass eine Umstellung während der Durchfahrt unmöglich war.

Später lösten Relais-Stellwerke diese mechanische Ära ab. Anstelle von Hebeln bediente das Personal nun bunte Druckknöpfe auf einem Schaltpult. Die Befehle wurden als elektrische Impulse über Kabel an die eigentliche Intelligenz des Stellwerks übertragen: einen Raum voller Relais. Ein Relais ist ein elektromechanischer Schalter, der durch einen kleinen Strom einen größeren Stromkreis schalten kann und so die Motoren der Weichen und Signale steuerte.

Zentralisierung durch moderne Stellwerk Technik

Da durch die elektrische Steuerung keine direkten mechanischen Verbindungen zu den Weichen mehr nötig waren, konnten mehrere Stellwerke von einem zentralen Ort aus ferngesteuert werden. Dies führte zur Entstehung von heute vier großen Betriebszentralen der SBB in der Schweiz. Von dort aus überwachen und steuern Fahrdienstleiter den Zugverkehr ganzer Regionen.

An einem modernen Arbeitsplatz sehen die Fahrdienstleiter auf mehreren Monitoren die Gleisanlagen verschiedener Bahnhöfe. Der Zugbetrieb läuft größtenteils automatisch nach Fahrplan ab, weshalb der Computer die Routineaufgaben übernimmt. Allerdings greifen die Spezialisten sofort ein, wenn unvorhergesehene Ereignisse wie Verspätungen oder Störungen auftreten und passen die Abläufe mit wenigen Mausklicks an.

Das Beste aus zwei Welten: Analoge Zuverlässigkeit trifft digitale Steuerung

Während viele andere Branchen ihre analoge Vergangenheit längst vollständig ersetzt haben, setzt die Bahn weiterhin auf eine hybride Lösung. Etwa die Hälfte der rund 500 Stellwerke in der Schweiz basiert noch auf der robusten Relais-Technik aus den 1960er-Jahren. Diese analogen Anlagen werden jedoch von den hochmodernen, digitalen Betriebszentralen gesteuert.

Diese Kombination aus alt und neu ist bemerkenswert zuverlässig und sicher. Ein seltenes Beispiel für ein noch lokal bedientes Relais-Stellwerk befindet sich im Bahnhof Schaffhausen, wo Reisende das Schaltpult hinter einer großen Glasscheibe erkennen können. Der dazugehörige Relais-Raum füllt den Keller des Bahnhofsgebäudes mit Hunderten von elektromechanischen Schaltern und kilometerlangen Kabelsträngen.

Die Zukunft ist digital: Kurs auf vollautomatisierte Bahnsysteme

Trotz der bewährten Technik plant die SBB, in den nächsten 20 Jahren rund 80 Prozent der analogen Anlagen durch rein digitale Stellwerke zu ersetzen. Die ersten neuen Systeme sollen nach erfolgreichen Tests ab 2029 in Betrieb gehen. Dieser Schritt ist eine entscheidende Voraussetzung für die weitere Modernisierung des Bahnverkehrs.

Die Digitalisierung ermöglicht die Einführung der sogenannten Führerstandsignalisierung. Dabei werden Signale und wichtige Fahrinformationen nicht mehr an der Strecke angezeigt, sondern direkt auf die Displays im Führerstand der Lokomotive übertragen. Dadurch können Züge in kürzeren Abständen und somit in höherer Frequenz verkehren, was die Kapazität des Schienennetzes deutlich erhöht.

Altes Eisen, das noch lange nicht rostet

Obwohl der digitale Wandel fortschreitet, wird die analoge Stellwerkstechnik noch für Jahrzehnte im Einsatz bleiben. Ihre Langlebigkeit und Zuverlässigkeit sind unbestritten, weshalb das Wissen über ihre Funktionsweise weiterhin von großer Bedeutung ist. Ein junger Elektroniker-Lehrling hat daher im ehemaligen Fahrdienstbüro des Bahnhofs Wiler bei Utzenstorf ein kleines Museum für funktionierende Stellwerke eingerichtet.

Dort wird die faszinierende analoge Technik für die Nachwelt erhalten und erlebbar gemacht. Außerdem nutzen inzwischen sogar Eisenbahngesellschaften diese Sammlung, um ihre Mitarbeitenden an der bewährten Technologie auszubilden. Dies zeigt, dass die alten Relais-Stellwerke noch lange nicht ausgedient haben und auch in einer zunehmend digitalen Welt einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit im Bahnverkehr leisten.

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