Hyperschallrakete für Europa – Start-up gelingt Durchbruch

Einem deutsch-britischen Start-up ist ein entscheidender technologischer Durchbruch gelungen. Anfang Februar testete das Unternehmen Hypersonica erfolgreich den Prototyp einer Rakete, die eine neue Ära für die europäische Verteidigungsfähigkeit einläuten könnte. Damit rückt die Entwicklung einer souveränen Hyperschallrakete für Europa in greifbare Nähe und stellt eine Antwort auf die globalen sicherheitspolitischen Verschiebungen dar.

Erfolgreicher Testflug mit sechsfacher Schallgeschwindigkeit

Der Test fand am 3. Februar am norwegischen Weltraumbahnhof Andøya statt. Dort startete der Prototyp mit der Bezeichnung HS1 und erreichte im Flug eine beeindruckende Geschwindigkeit von Mach 6. Das entspricht mehr als 7.400 Kilometern pro Stunde und liegt damit deutlich im Hyperschallbereich, der per Definition bei Geschwindigkeiten oberhalb von Mach 5 beginnt. Während des Fluges legte die unbewaffnete Rakete eine Strecke von 300 Kilometern zurück.

Das 2023 gegründete Unternehmen Hypersonica überraschte mit diesem Test die Fachwelt, denn bisher war die Entwicklung solcher Waffensysteme nur wenigen Staaten wie den USA, China und Russland vorbehalten. Die Rakete ist nach Angaben der Entwickler mehrere Meter lang und wiegt über eine Tonne. Weitere technische Details hält das Unternehmen, dessen Hauptsitz in München liegt, allerdings vorerst geheim.

Warum Hyperschallwaffen so schwer abzuwehren sind

Hyperschallraketen gelten als eine revolutionäre Waffengattung, weil sie zwei entscheidende Eigenschaften kombinieren: extreme Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit. Anders als ballistische Raketen, die einer weitgehend vorhersehbaren Flugbahn folgen, können Hyperschallflugkörper während des Fluges ihren Kurs ändern. Dadurch sind sie für heutige Luftabwehrsysteme kaum rechtzeitig zu erfassen und noch schwerer abzufangen.

Militärstrategen diskutieren daher intensiv, wie diese Technologie die bisherigen Kräfteverhältnisse verändern wird. Russland hat eigenen Angaben zufolge bereits Hyperschallraketen im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt. Aus diesem Grund ist das Streben nach einer eigenen, unabhängigen Fähigkeit für Europa von hoher strategischer Bedeutung. Die Gründer von Hypersonica wollen genau diese Lücke schließen und Europa bis 2029 eine souveräne Verteidigungsoption zur Verfügung stellen.

Die größte Hürde: Präzise Steuerung bei extremer Hitze

Obwohl die grundlegende Technologie bis in die 1930er-Jahre zurückreicht, ist die moderne Umsetzung extrem anspruchsvoll. Die eigentliche Herausforderung liegt laut Mitgründer Philipp Kerth weniger im Antrieb als vielmehr in der Steuerung. Ein Flugkörper muss bei Hyperschallgeschwindigkeit präzise manövrieren können, um sein Ziel exakt zu treffen.

Bei diesen Geschwindigkeiten entsteht durch die Luftreibung eine enorme Hitze an der Außenhülle des Flugkörpers, was die Materialien und die Elektronik an ihre Grenzen bringt. Der erste Testflug diente deshalb vor allem dazu, wertvolle Daten über das Verhalten der Rakete unter diesen extremen Bedingungen zu sammeln. Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die weitere Entwicklung bis zur Serienreife.

Ein Start-up beschleunigt die europäische Rüstungsentwicklung

Hinter Hypersonica stehen der Physiker Philipp Kerth und der Luftfahrtingenieur Marc Ewenz, die beide an der Universität Oxford im Bereich Hyperschall promoviert haben. Sie kritisieren, dass dieses Technologiefeld in Europa über Jahrzehnte vernachlässigt wurde. Ihr Ansatz orientiert sich daher am Vorbild von Unternehmen wie SpaceX von Elon Musk, die gezeigt haben, wie sich Entwicklungszeiten in der Raumfahrt drastisch verkürzen lassen.

Durch agile Methoden und private Finanzierung will das Start-up den Prozess um bis zu 90 Prozent beschleunigen. Der erfolgreiche Test nur neun Monate nach dem ersten Entwurf ist ein eindrucksvoller Beleg für diesen Ansatz. Er zeigt, dass Europa fähig ist, technologische Rückstände aufzuholen und im globalen Wettbewerb eine eigenständige Rolle zu spielen.

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