Ein erneuter Warnstreik im Nahverkehr in Bayern lähmt seit den frühen Morgenstunden den Betrieb in mehreren Großstädten. Insbesondere Pendler in München und Nürnberg müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen, denn U-Bahnen und Straßenbahnen bleiben größtenteils in den Depots. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten zum Ausstand aufgerufen, um ihren Forderungen im laufenden Tarifkonflikt Nachdruck zu verleihen.
Nach Angaben der Verkehrsbetriebe wird ein normaler Fahrplan voraussichtlich erst am Donnerstag wieder aufgenommen werden können. Reisende sollten sich daher auch nach dem offiziellen Ende des Streiks auf Unregelmäßigkeiten einstellen und alternative Verkehrsmittel prüfen. Es handelt sich bereits um die zweite Streikrunde in der aktuellen Tarifauseinandersetzung.
So stark sind München und Nürnberg betroffen
In der Landeshauptstadt München ist die Situation besonders angespannt. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) teilte mit, dass der U-Bahn-Betrieb komplett eingestellt wurde, da sowohl im Fahrdienst als auch in der Leitstelle nicht genügend Personal zur Verfügung steht. Auch die meisten Busse mit Liniennummern bis 199 sind vom Ausstand betroffen, während der Tramverkehr ebenfalls stark ausgedünnt ist. Lediglich auf den Linien 20 und 25 konnte am Vormittag ein eingeschränkter Betrieb aufrechterhalten werden.
Eine besondere Regelung gibt es allerdings für Fußballfans am Abend. Aufgrund des DFB-Pokalspiels in der Allianz Arena wird eine U-Bahn-Linie zwischen Marienplatz und Fröttmaning verkehren, um die An- und Abreise zum Stadion zu ermöglichen. Zusätzlich wird der Bustransfer von der S-Bahn-Haltestelle Donnersbergerbrücke verstärkt.
Auch in Nürnberg ist das Bild ähnlich. Laut der Gewerkschaft Verdi stehen dort ebenfalls alle U-Bahnen und Trambahnen still. Ein Sprecher der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG) bestätigte, dass nur rund 30 Busse im gesamten Stadtgebiet unterwegs sind. Dies führte im morgendlichen Berufsverkehr zu spürbar volleren Straßen und Staus.
Diese Verkehrsmittel fahren trotz des Streiks
Vom aktuellen Warnstreik nicht betroffen sind die S-Bahnen und Regionalzüge, da diese von der Deutschen Bahn und nicht von den kommunalen Verkehrsbetrieben betrieben werden. Sie stellen für viele Pendler eine wichtige Alternative dar. Allerdings müssen sich Fahrgäste der Münchner S-Bahn am späten Abend aufgrund von Bauarbeiten für die zweite Stammstrecke ebenfalls auf erhebliche Behinderungen einstellen.
Einige Buslinien verkehren außerdem weiterhin, weil sie von privaten Dienstleistern im Auftrag der städtischen Unternehmen betrieben werden. Dadurch konnte beispielsweise in München auf allen Buslinien zumindest ein Notbetrieb mit langen Wartezeiten sichergestellt werden. Neben München und Nürnberg sind auch die Städte Passau, Bayreuth und Dachau von den Arbeitsniederlegungen betroffen.
Hintergründe: Darum wird im Nahverkehr gestreikt
Der Warnstreik ist ein Mittel, um den Druck auf die Arbeitgeberseite vor der nächsten Verhandlungsrunde zu erhöhen. Die Gewerkschaft Verdi vertritt die Interessen der Beschäftigten und hat klare Forderungen formuliert, die im Zentrum des Tarifkonflikts stehen. Die zentralen Punkte sind:
- Eine pauschale Entgeltsteigerung um 668,75 Euro.
- Eine spürbare Reduzierung der Wochenarbeitszeit.
Die Arbeitgeber, vertreten durch die bayerischen Städte, lehnen diese Forderungen als zu kostspielig ab. Sie verweisen darauf, bereits ein Gegenangebot unterbreitet zu haben, welches eine Entgelterhöhung von mindestens fünf Prozent sowie weitere Verbesserungen vorsieht. Aus ihrer Sicht stellt dies bereits eine erhebliche finanzielle Belastung für die kommunalen Haushalte dar.
Ausblick auf die weiteren Verhandlungen
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen der Gewerkschaft und den Arbeitgebern ist für kommenden Freitag angesetzt. Bis zu diesem Termin soll es laut Verdi keine weiteren Warnstreiks in Bayern geben. Die Gewerkschaft betont, dass man sich noch nicht in einer Phase der Eskalation befinde.
Eine Gewerkschaftssekretärin erklärte, das Ziel sei es nicht, die Fahrgäste zu treffen. Der Streik sei jedoch der einzige Weg, um den Arbeitgebern die Dringlichkeit der Anliegen zu verdeutlichen. Deshalb sei es ein Grundsatz, Streikmaßnahmen frühzeitig anzukündigen, damit sich die Menschen darauf vorbereiten können und nicht unvorbereitet von den Ausfällen getroffen werden.
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