Das globale Tierbeobachtungssystem Icarus startet nach einer mehrjährigen Unterbrechung neu und ermöglicht Forschenden wieder, Tiere vom All aus im Blick zu behalten. Dieses Projekt liefert wertvolle Daten über die Wanderungsbewegungen verschiedenster Tierarten und hilft dadurch, ökologische Zusammenhänge besser zu verstehen. Außerdem können die gewonnenen Informationen zum Schutz der Artenvielfalt sowie als Frühwarnsystem für Naturkatastrophen dienen.
Tiere wie Vögel, Fledermäuse oder Schildkröten reagieren oft sehr sensibel auf kleinste Veränderungen in ihrer Umwelt. Forscher vermuten daher, dass ihr Verhalten bevorstehende Ereignisse wie Vulkanausbrüche oder Erdbeben andeuten könnte. Durch die Beobachtung ihrer Bewegungsmuster erhoffen sich Wissenschaftler, solche Vorhersagen in Zukunft präziser treffen zu können.
Wie funktioniert die Tierbeobachtung aus dem All?
Das Grundprinzip von Icarus ist technisch ausgeklügelt und dennoch einfach erklärt. Wissenschaftler statten Tiere mit winzigen, solarbetriebenen Sendern aus, die nur wenige Gramm wiegen. Diese Mini-Sender sammeln kontinuierlich Daten, beispielsweise zur Position, Beschleunigung und zu den Umgebungsbedingungen des Tieres.
Eine spezielle Antenne auf der Internationalen Raumstation ISS empfängt diese Signale, während sie die Erde umkreist. Anschließend werden die gesammelten Informationen an eine Bodenstation gesendet, wo sie ausgewertet werden. Dadurch entsteht eine globale Datenbank, die die Lebensweisen und Wanderrouten von Tausenden Tieren nahezu in Echtzeit abbildet.
Der Nutzen: Von Artenschutz bis Krankheitsprävention
Die durch Icarus gewonnenen Daten sind für verschiedene Forschungsbereiche von großer Bedeutung. An erster Stelle steht der Artenschutz, denn durch das Wissen über die exakten Routen und Rastplätze können Schutzgebiete effektiver ausgewiesen werden. So lassen sich beispielsweise Gefahren für Zugvögel besser identifizieren und minimieren.
Darüber hinaus hilft das System, die Ausbreitung von Zoonosen zu verfolgen. Das sind Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können, wie etwa die Vogelgrippe. Indem die Bewegungen infizierter Tiere nachvollzogen werden, können potenzielle Ausbruchsherde frühzeitig erkannt werden, wodurch Gegenmaßnahmen schneller greifen.
Neustart nach erzwungener Pause
Das ursprüngliche Icarus-System musste 2022 abgeschaltet werden, da es auf dem russischen Modul der ISS montiert war und die Kooperation nach dem Angriff auf die Ukraine beendet wurde. Nun startet das Projekt mit neuen Partnern wieder durch. Die Federführung liegt weiterhin beim Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz, während die italienische Raumfahrtagentur ASI die neue Antenne betreibt.
Die neue Hardware wurde bereits mit einer SpaceX-Rakete zur ISS transportiert. Nach der Installation und einer mehrmonatigen Testphase soll der wissenschaftliche Betrieb im Frühjahr 2025 beginnen. Forscher weltweit warten bereits darauf, ihre Studien fortsetzen zu können, um das faszinierende „Internet der Tiere“ weiter auszubauen.
