Bei einer Zustimmung des Aufsichtsrats könnte die endgültige Entscheidung auf der kommenden Hauptversammlung im Februar 2025 fallen. Der Konzern würde seine verbleibenden Anteile an Healthineers dann direkt an die eigenen Aktionäre übertragen. Diese erhielten somit zusätzlich zu ihren Siemens-Aktien auch Papiere der Medizintechniktochter in ihre Depots gebucht.
So funktioniert die geplante Abspaltung
Eine Abspaltung, im Fachjargon auch „Spin-off“ genannt, ist ein strategischer Schritt, bei dem ein Unternehmen einen Teilbereich in die volle Eigenständigkeit entlässt. Im Fall von Siemens Healthineers würde der Mutterkonzern seine Anteile nicht verkaufen, sondern an die eigenen Anteilseigner weitergeben. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass keine Steuern auf Veräußerungsgewinne anfallen, da es sich um eine Sachausschüttung handelt.
Für die Siemens-Aktionäre bedeutet dies, dass sie für eine bestimmte Anzahl ihrer Aktien eine festgelegte Menge an Healthineers-Aktien erhalten. Siemens selbst würde nach diesem Schritt keine Anteile mehr an der Medizintechniksparte halten. Dadurch erhielte Healthineers die volle unternehmerische Freiheit, während Siemens seine Struktur weiter vereinfachen und sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren könnte.
Warum die vollständige Abspaltung von Siemens Healthineers sinnvoll ist
Die Medizintechniksparte hat sich seit ihrem Börsengang im Jahr 2018 bereits sehr eigenständig entwickelt. Allerdings bestehen weiterhin finanzielle und strukturelle Verbindungen zum Mutterkonzern. Eine vollständige Trennung würde diese letzten Verflechtungen auflösen und Healthineers ermöglichen, flexibler auf dem Kapitalmarkt zu agieren.
Außerdem könnte das Unternehmen als vollständig unabhängige Einheit klarer am Markt positioniert werden, was die Attraktivität für Investoren steigern könnte. Siemens wiederum würde seine Transformation zu einem fokussierten Technologieunternehmen abschließen. Während der Konzern in der Vergangenheit breit aufgestellt war, liegt der Fokus zukünftig verstärkt auf den Bereichen Automatisierung, Digitalisierung und Elektrifizierung.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Die Pläne zur Abspaltung werden von Analysten überwiegend positiv bewertet, da sie für beide Unternehmen strategische Vorteile bringen. Siemens-CEO Roland Busch treibt die Verselbstständigung der Konzernteile seit Längerem voran, weshalb der Schritt als konsequente Fortsetzung der Unternehmensstrategie gilt. Zuvor wurden bereits die Energietechnik-Sparte Siemens Energy und die Antriebstochter Innomotics erfolgreich abgespalten.
Anleger sollten die Entwicklungen bis zur Hauptversammlung im Februar genau verfolgen. Eine positive Entscheidung des Aufsichtsrats gilt als wahrscheinlich. Sollte die Abspaltung beschlossen werden, müssen Aktionäre zunächst nichts weiter tun, denn die Übertragung der Healthineers-Aktien erfolgt automatisch.
