Warren Buffett Indikator warnt vor Überhitzung durch KI-Boom

Ein wichtiger Gradmesser für die Bewertung des Aktienmarktes sendet derzeit deutliche Signale. Der sogenannte Warren Buffett Indikator hat durch den Boom bei KI-Aktien ein historisches Hoch erreicht, weshalb einige Anleger eine Überhitzung des Marktes befürchten. Diese Kennzahl kann Investoren wertvolle Hinweise darauf geben, ob Aktien gerade teuer oder günstig sind.

So funktioniert der Warren Buffett Indikator

Der Name des Indikators geht auf den berühmten Investor Warren Buffett zurück, denn er bezeichnete ihn als das beste Einzelmaß, um die aktuelle Bewertung des Marktes einzuschätzen. Die Berechnung ist dabei recht einfach: Man teilt die gesamte Marktkapitalisierung aller börsennotierten US-Unternehmen durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA. Das BIP misst den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Land innerhalb eines Jahres hergestellt werden.

Das Ergebnis ist eine Prozentzahl, die das Verhältnis der Börsenbewertung zur tatsächlichen Wirtschaftsleistung darstellt. Ein Wert um die 100 % gilt oft als fair bewertet. Liegt der Wert deutlich darunter, könnten Aktien unterbewertet sein, während Werte weit darüber auf eine mögliche Überbewertung hindeuten.

Aktuelle Marktlage: Ein Rekordhoch durch KI-Aktien

Derzeit steht der Warren Buffett Indikator auf einem Rekordniveau von über 200 Prozent. Das bedeutet, der Gesamtwert der US-Aktien ist mehr als doppelt so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung der USA. Ein wesentlicher Treiber für diese Entwicklung ist der Hype um Künstliche Intelligenz (KI), der die Kurse von Technologiekonzernen wie Nvidia, Microsoft und Alphabet in die Höhe getrieben hat.

Dieser hohe Wert erinnert an frühere Phasen starker Überbewertung, wie zum Beispiel während der Dotcom-Blase um das Jahr 2000. Damals erreichte der Indikator zwar auch ein hohes Niveau, lag aber noch deutlich unter dem heutigen Wert. Die aktuelle Rally wird fast ausschließlich vom Technologiesektor getragen, was die Konzentration des Wachstums verdeutlicht.

Was bedeutet das für Anleger?

Ein hoher Stand des Buffett-Indikators ist kein unmittelbarer Auslöser für einen Börsencrash, allerdings signalisiert er ein gestiegenes Risiko. Historisch gesehen folgten auf Phasen mit solch hohen Bewertungen oft Jahre mit unterdurchschnittlichen Renditen am Aktienmarkt. Anleger sollten daher vorsichtig sein, denn die extremen Bewertungen deuten darauf hin, dass der Markt für eine Korrektur anfällig sein könnte.

Die Kennzahl kann außerdem als ein strategisches Werkzeug dienen. Einige Investoren nutzen den Indikator, um ihre Anlageentscheidungen anzupassen. So könnte ein sehr hoher Wert ein Anlass sein, die Gewichtung von US-Aktien im Portfolio zu überdenken und möglicherweise in andere, moderater bewertete Märkte umzuschichten.

Kritik und Grenzen des Indikators

Trotz seiner Popularität hat der Buffett-Indikator auch Schwächen. Ein Hauptkritikpunkt ist, dass er Äpfel mit Birnen vergleicht. US-Unternehmen erzielen einen großen Teil ihrer Gewinne im Ausland, was im US-BIP nicht abgebildet wird. Gleichzeitig wird das BIP auch von vielen nicht börsennotierten Firmen erwirtschaftet.

Zudem hat sich die Weltwirtschaft seit der Einführung des Indikators verändert. Die Globalisierung führt dazu, dass die Umsätze von US-Konzernen zunehmend internationalisiert sind, weshalb der alleinige Vergleich mit der heimischen Wirtschaftsleistung an Aussagekraft verlieren kann. Der Indikator sollte daher nicht isoliert, sondern immer im Kontext weiterer Analysen betrachtet werden.