Schrottautos entsorgen: Roter Punkt, Kosten und was nun gilt

Immer mehr Städte in Baden-Württemberg stehen vor einem wachsenden Problem: illegal abgestellte Autowracks auf öffentlichen Parkplätzen und am Straßenrand. Diese Fahrzeuge blockieren nicht nur wertvollen Parkraum, sondern stellen auch eine erhebliche finanzielle und ökologische Belastung dar. Daher wird das fachgerechte Schrottautos entsorgen zu einer immer dringenderen kommunalen Aufgabe, deren Kosten oft die Allgemeinheit tragen muss.

Die herrenlosen Fahrzeuge sind mehr als nur ein optisches Ärgernis. Sie nehmen dringend benötigte Parkflächen in Anspruch, was besonders in dicht besiedelten städtischen Gebieten für Frust sorgt. Zudem verschandeln die oft verwahrlosten und beschädigten Autos das Stadtbild erheblich.

Warum zurückgelassene Autowracks zu einem Problem werden

Die größte Gefahr geht von den Umweltrisiken aus, denn aus beschädigten Wracks können Schadstoffe wie Öl, Bremsflüssigkeit oder Kühlmittel austreten. Diese Substanzen sickern in den Boden und können so das Erdreich sowie das Grundwasser verunreinigen. In solchen Fällen ist eine aufwendige und teure Bodensanierung notwendig, um Umweltschäden zu begrenzen.

Für die Kommunen stellt sich zudem ein rechtliches und administratives Problem. Oft fehlen an den Fahrzeugen die Kennzeichen und selbst die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN), eine einzigartige Seriennummer am Fahrgestell, wurde entfernt. Dadurch ist es für die Behörden extrem schwierig oder sogar unmöglich, den letzten Halter zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen.

Der langwierige Prozess: Wie Städte gegen Schrottautos vorgehen

Wenn ein mutmaßlich herrenloses Fahrzeug gemeldet wird, beginnt für die Stadtverwaltungen ein standardisierter, aber oft langwieriger Prozess. Bürgerinnen und Bürger melden solche Autos meist direkt, oder städtische Dienste wie der Bauhof entdecken sie bei ihren Kontrollfahrten. Anschließend leiten die Behörden mehrere Schritte ein, bevor sie die Schrottautos entsorgen können.

  1. Kennzeichnung des Fahrzeugs: Ein Mitarbeiter des Außendienstes bringt einen gut sichtbaren Aufkleber, oft als „roter Punkt“ bezeichnet, am Fahrzeug an. Dieser informiert den Eigentümer darüber, dass das Auto entfernt werden muss.
  2. Fristsetzung: Der Halter hat nach der Kennzeichnung eine Frist von mindestens zwei Wochen, um das Fahrzeug selbstständig aus dem öffentlichen Raum zu entfernen.
  3. Halterermittlung: Verstreicht die Frist ergebnislos, versuchen die Behörden, den letzten eingetragenen Besitzer zu ermitteln. Gelingt dies, wird der Halter schriftlich zur Beseitigung aufgefordert.
  4. Abschleppen und Verwahren: Reagiert der Besitzer auch auf die schriftliche Aufforderung nicht, wird das Auto auf Kosten der Stadt abgeschleppt. Je nach Zustand wird es dann entweder auf einem Sicherstellungsgelände verwahrt oder direkt zu einem Verwertungsbetrieb gebracht.
  5. Verwertung oder Versteigerung: Schließlich wird das Fahrzeug je nach Restwert entweder fachgerecht verschrottet oder öffentlich versteigert.

Zahlreiche gemeldete Fahrzeuge werden von ihren Besitzern bereits nach der ersten Aufforderung entfernt. Dennoch bleibt der administrative Aufwand für die Kommunen bei jedem einzelnen Fall hoch.

Hohe Kosten für die Allgemeinheit: Wer bezahlt die Entsorgung?

Die Kosten für das Abschleppen und Verschrotten eines Autowracks sind erheblich und belasten die städtischen Haushalte. Die Stadt Stuttgart rechnet beispielsweise mit durchschnittlich 500 € pro Fahrzeug. In Mannheim belaufen sich die Kosten sogar auf rund 850 € pro entsorgtem Auto.

Kann der verantwortliche Halter ermittelt werden, muss dieser die gesamten Kosten tragen. In vielen Fällen bleibt die Suche nach dem Besitzer jedoch erfolglos, weshalb der Steuerzahler für die Beseitigung der illegal entsorgten Fahrzeuge aufkommen muss. Allein in Stuttgart mussten im vergangenen Jahr 120 Fahrzeuge auf diese Weise entsorgt werden, während es in Mannheim 85 und in Ulm 20 waren.

Gründe für die illegale Entsorgung von Fahrzeugen

Die Motive, warum Menschen ihre alten Autos einfach im öffentlichen Raum zurücklassen, sind vielfältig. Oft spielen finanzielle Schwierigkeiten eine entscheidende Rolle, wenn beispielsweise eine teure Reparatur wie ein Motorschaden ansteht und die Entsorgungskosten gescheut werden. Weitere Gründe sind:

  • Bequemlichkeit: Einige Besitzer möchten sich den Aufwand einer ordnungsgemäßen Verschrottung ersparen.
  • Wohnortwechsel: Manchmal ziehen Halter weg und lassen ihr nicht mehr benötigtes Fahrzeug einfach zurück.
  • Unwissenheit: Viele Fahrzeughalter wissen nicht, wie einfach und oft sogar kostenlos eine fachgerechte Entsorgung sein kann.

Fachgerecht und oft kostenlos: So funktioniert die richtige Autoentsorgung

Dabei ist die korrekte Entsorgung eines Altfahrzeugs unkomplizierter und günstiger als viele annehmen. Laut einer EU-Vorschrift sind Autohersteller dazu verpflichtet, ihre Fahrzeuge kostenfrei zurückzunehmen und umweltgerecht zu verwerten. Dieser Service gilt für die meisten Fahrzeuge, solange keine wesentlichen Bauteile fehlen.

Zudem gibt es ein deutschlandweites Netz an zertifizierten Demontagebetrieben. Diese Fachbetriebe kümmern sich um die trockene und schadstofffreie Zerlegung des Autos. Wertvolle Rohstoffe wie Stahl, Aluminium und Kunststoffe werden recycelt, während gefährliche Stoffe sicher entsorgt werden. Die Abholung des Fahrzeugs ist oft schnell vereinbart und die Verwertung selbst in der Regel kostenfrei für den letzten Besitzer.

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