Stadt sperrt Facebook Kommentare nach Hass und Morddrohung

Die Stadt Landau in Rheinland-Pfalz hat eine drastische Maßnahme ergriffen, denn sie sah sich gezwungen, die Kommentarfunktion auf ihrer offiziellen Facebook-Seite dauerhaft zu deaktivieren. Mit diesem Schritt reagiert die Verwaltung auf eine Welle von Hass, Hetze und Beleidigungen, die nicht mehr kontrollierbar war. Diese Entscheidung verdeutlicht, welche schwerwiegenden Konsequenzen der zunehmende Hass im Netz für die öffentliche Kommunikation haben kann, weshalb sich die Stadt sperrt Facebook Kommentare als letzte Option sah.

Die Verwaltung begründet den Schritt mit einer unhaltbaren Entwicklung. Insbesondere seit der Corona-Pandemie habe die Tonalität in den Kommentaren eine Grenze überschritten, die einen konstruktiven Dialog unmöglich machte. Laut Stadtsprecherin Sandra Diehl handelte es sich nicht mehr um vereinzelte Entgleisungen, sondern um eine systematische Flut von Beiträgen weit unterhalb der Gürtellinie.

Eskalation von Hass und Hetze als Auslöser

Die Probleme auf der Facebook-Seite der Stadt Landau nahmen über Monate hinweg stetig zu. Bestimmte Themen mobilisierten Hunderte von Kommentatoren, die gezielt Desinformationen streuten oder Personengruppen wie beispielsweise Geflüchtete angriffen. Die Stadtverwaltung versuchte lange, den Dialog durch intensive Moderation aufrechtzuerhalten, allerdings wurde der personelle Aufwand für die Überprüfung und das Löschen der Beiträge untragbar.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Presseteams konnten nicht mehr gewährleisten, jeden beleidigenden oder volksverhetzenden Kommentar zeitnah zu entfernen. Dadurch bestand die Gefahr, dass rechtswidrige Inhalte über Stunden sichtbar blieben. Die Sprecherin beschrieb die Situation so, dass sich eine regelrechte „Bubble“ gebildet habe, deren einziges Ziel es war, Hass und Hetze zu verbreiten und den öffentlichen Diskurs zu vergiften.

Warum die Stadt Landau die Facebook Kommentare sperrt: Der finale Schritt

Der absolute Tiefpunkt und letztendliche Auslöser für die endgültige Entscheidung war eine Morddrohung gegen den Landauer Bürgermeister Lukas Hartmann von den Grünen im vergangenen Jahr. Dieser Vorfall machte unmissverständlich klar, dass die digitale Hetze in reale Bedrohungen umschlagen kann. Daraufhin zog die Stadtverwaltung die Reißleine.

Facebook dient für die Stadt Landau nun als reiner Informationskanal. Bürgerinnen und Bürger können die Beiträge weiterhin lesen und teilen, jedoch keine eigenen Kommentare mehr verfassen. Die Verwaltung betont, dass dies kein Schritt gegen die Meinungsfreiheit sei, sondern eine notwendige Maßnahme zum Schutz von Betroffenen und zur Wahrung eines respektvollen Umgangs.

Kein Einzelfall: Andere Städte ziehen ebenfalls Konsequenzen

Landau steht mit seinem Problem nicht allein da, auch wenn die dauerhafte Sperrung der Kommentarfunktion bislang ein einmaliger Schritt in der Region ist. Andere Kommunen in der Süd- und Vorderpfalz kämpfen ebenfalls mit zunehmend aggressiven Online-Diskussionen. Die Städte Speyer und Grünstadt haben beispielsweise bereits bei einzelnen, besonders heiklen Beiträgen die Kommentarfunktion temporär abgeschaltet.

In Speyer eskalierte die Situation unter einem Beitrag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Neben unterstützenden Worten sammelten sich zahlreiche herabwürdigende Anmerkungen, die den Holocaust verharmlosten oder den „Schuldkult“ kritisierten. Auch hier sah sich die Stadt gezwungen, die Kommentarspalte zu schließen, um die Würde der Opfer zu schützen.

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