Thüringer des Monats Martin Gobsch: Puppenschnitzer und Macher

Der Puppenschnitzer Martin Gobsch wurde für sein herausragendes Engagement als Thüringer des Monats Martin Gobsch im Januar ausgezeichnet. Seit 15 Jahren bereichert er mit seiner Werkstatt die Erfurter Krämerbrücke und setzt sich darüber hinaus ehrenamtlich für die Gemeinschaft ein. Diese Kombination aus Kunsthandwerk und gemeinnützigem Wirken macht ihn zu einer besonderen Persönlichkeit in Erfurt.

Ein offenes Atelier im Herzen Erfurts

In einer nur 22 Quadratmeter großen Werkstatt auf der historischen Krämerbrücke lebt und arbeitet Martin Gobsch. Dort entsteht vor den Augen der Passanten filigrane Puppenkunst aus Lindenholz, denn seine Werkstatt ist gleichzeitig sein Schaufenster. Die Besucher können ihm bei der Arbeit zusehen und erleben, wie aus einem Stück Holz nach und nach eine Figur mit Charakter entsteht.

Ein besonderes Highlight ist sein „Theatrum Mundi“, ein mechanisches Figurentheater, das im Schaufenster viele Blicke auf sich zieht. Gobsch selbst empfindet große Freude, wenn seine noch unfertigen Figuren bereits erkannt werden. Dadurch weiß er, dass er mit seiner künstlerischen Interpretation auf dem richtigen Weg ist und die Geschichten, die er erzählen will, verstanden werden.

Mehr als nur ein Künstler: Engagement für die Gemeinschaft

Die Auszeichnung zum Thüringer des Monats erhielt Martin Gobsch allerdings nicht nur für seine Kunst. Seit einem Jahrzehnt engagiert er sich ehrenamtlich im Stiftungsrat der Krämerbrücke, wo er als einer der Mietervertreter die Interessen der Anwohner und Händler vertritt. Sein Einsatz ist dabei äußerst vielfältig und reicht von der Organisation von Festen bis hin zur Mitbestimmung bei der Auswahl neuer Mieter.

Roland Büttner, ein Erfurter Stadtführer, schlug Gobsch für die Ehrung vor, weil er ihn als echten Macher schätzt. Er sei jemand, der anpackt und Dinge vorantreibt, anstatt nur darüber zu reden. Diese proaktive Haltung macht ihn zu einem Schrittmacher für die gesamte Gemeinschaft auf der Brücke, einem Ort, den die Bewohner liebevoll ihr „Dorf in der Stadt“ nennen.

Warum Martin Gobsch als Thüringer des Monats überzeugt

Kollegen und Nachbarn heben vor allem Martin Gobschs ruhige und vermittelnde Art hervor. Schmuckkünstlerin Ute Wolff-Brinckmann beschreibt ihn als zugewandt und lösungsorientiert. Während in Diskussionen oft die Wogen hochschlagen, hört Gobsch zunächst zu und findet anschließend einen Kompromiss, der für alle Seiten tragbar ist, ohne jemanden zu verärgern.

Diese Fähigkeit, polarisierende Lager zusammenzuführen, ist besonders wertvoll. Heiko Hilscher, der einen Laden auf der Brücke betreibt, bestätigt dies und schildert ein Beispiel aus dem Vorjahr. Damals entstand ein kleiner Streit über das Hissen von Regenbogenfahnen zum Christopher Street Day, während bereits die Jubiläumsflaggen wehten.

Martin Gobsch löste den Konflikt auf pragmatische Weise, indem er kurzerhand zusätzliche Fahnenhalter organisierte und das Gespräch zwischen den Parteien moderierte. Dadurch konnten beide Flaggensätze wehen und alle waren zufrieden. Solche Taten zeigen, wie er durch sein Handeln das Miteinander auf der Krämerbrücke aktiv gestaltet und stärkt.

Initiator im Jubiläumsjahr der Krämerbrücke

Besonders im Jubiläumsjahr 2025, als die steinerne Krämerbrücke ihr 700-jähriges Bestehen feierte, zeigte sich Gobschs Engagement deutlich. Er war die treibende Kraft hinter vielen Aktionen, die das Jubiläum zu etwas Besonderem machten. So initiierte er beispielsweise die Herausgabe einer Jubiläumsbriefmarke.

Außerdem sorgte er dafür, dass jedes Haus auf der Brücke eine eigene Flagge erhielt, die nun bei besonderen Anlässen gehisst werden kann. Nils Lange, der Geschäftsführer der Thüringer Ehrenamtsstiftung, lobt Menschen wie Martin Gobsch, die das Heft selbst in die Hand nehmen und somit einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Eine Ehrung unter Freunden als Überraschung

Die Verleihung des Titels wurde von den anderen Krämerbrücken-Bewohnern streng geheim gehalten. Sie wollten Martin Gobsch überraschen, weshalb sie ihn unter einem Vorwand in das Haus der Stiftungen lockten. Angeblich sollte er dort ein Interview zur Bilanz der 700-Jahr-Feier geben, doch stattdessen wartete die Auszeichnung auf ihn.

Als die wahre Natur des Termins enthüllt wurde, war Gobsch sichtlich gerührt und zunächst sprachlos. In seiner Dankesrede betonte er bescheiden, dass viele Menschen ehrenamtlich zum Gelingen des Jubiläumsjahres beigetragen hätten. Außerdem dankte er seiner Familie, ohne deren Rückhalt sein umfassendes Engagement nicht möglich wäre.

Über die Auszeichnung „Thüringer des Monats“

Die Ehrung „Thüringer des Monats“ ist eine gemeinsame Initiative von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Sie wird bereits seit dem Jahr 1994 vergeben, um Menschen zu würdigen, die sich durch außergewöhnliche ehrenamtliche Arbeit für ihre Mitmenschen im Freistaat einsetzen.

Eine Jury aus Journalisten und Stiftungsmitgliedern wählt monatlich aus zahlreichen Vorschlägen eine Person aus. Am Ende des Jahres haben dann die Zuschauer, Zuhörer und Online-Nutzer des MDR die Möglichkeit, aus allen Monatssiegern den „Thüringer des Jahres“ zu wählen. Diese finale Ehrung findet im Rahmen einer festlichen Veranstaltung statt.

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