Genossenschaftswohnungen Hamburg: So klappt es trotz Andrang

Auf dem angespannten Hamburger Wohnungsmarkt gelten sie als Hoffnungsträger für bezahlbares Wohnen. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, wie groß der Andrang auf Genossenschaftswohnungen in Hamburg tatsächlich ist. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Nachfrage das knappe Angebot bei Weitem übersteigt, denn die Mieten sind im Vergleich zum freien Markt oft deutlich günstiger.

Im Durchschnitt bewerben sich 88 Interessenten auf eine einzige freie Wohnung einer Genossenschaft. Eine exklusive Auswertung des Softwarehauses Empro, das für zahlreiche Hamburger Genossenschaften tätig ist, kommt zu diesem Ergebnis. Außerdem zeigt die Studie, dass eine freigewordene Wohnung im Schnitt nach nur 13 Tagen wieder vergeben ist, was den enormen Druck auf dem Markt widerspiegelt.

Was macht Genossenschaftswohnungen so begehrt?

Der Hauptgrund für die hohe Beliebtheit ist die vergleichsweise niedrige Miete. Während die Preise auf dem freien Wohnungsmarkt stetig steigen, liegen die Kaltmieten bei Genossenschaften im Mittel bei nur 8,02 € pro Quadratmeter. Dadurch stellen sie eine bezahlbare Alternative dar, insbesondere für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen. Die ausgewerteten Angebote der Studie lagen mit durchschnittlich 9,80 € pro Quadratmeter zwar etwas höher, waren aber immer noch sehr attraktiv.

Ein weiterer Vorteil ist das Prinzip des lebenslangen Wohnrechts, auch Dauernutzungsrecht genannt. Mitglieder einer Genossenschaft sind keine gewöhnlichen Mieter, sondern Miteigentümer. Sie erwerben Genossenschaftsanteile und erhalten im Gegenzug ein sicheres und in der Regel unkündbares Nutzungsrecht für ihre Wohnung. Dies bietet eine hohe Wohnsicherheit, die mit der eines Eigentümers vergleichbar ist, allerdings ohne die finanzielle Last eines Immobilienkaufs.

Die Zahlen belegen den enormen Ansturm

Besonders kleine Wohnungen sind extrem gefragt. Die Untersuchung von Empro zeigt, dass sich für die begehrtesten Objekte oft mehr als 2.000 Menschen bewerben. Die drei Spitzenreiter waren allesamt Wohnungen mit einer Fläche von unter 46 Quadratmetern, was den besonderen Bedarf an Single- und Paarhaushalten unterstreicht.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Situation: Für eine 44 Quadratmeter große Wohnung in Barmbek mit einer Kaltmiete von 435 € gingen 2.300 Bewerbungen ein. Ähnlich dramatisch war die Lage bei einem Objekt in Langenhorn, für das sich bei einer Miete von rund 500 € ebenfalls 2.100 Interessenten meldeten. Eine Wohnung in Alsterdorf zog bei einer Miete von 480 € die gleiche Anzahl an Bewerbungen an. Diese Zahlen zeigen unmissverständlich, wie groß die Not auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum in der Hansestadt ist.

Der Weg zur Wohnung: Eine Hürde für Neumitglieder

In Hamburg gibt es rund 130.000 Genossenschaftswohnungen, wovon jährlich etwa 10.000 frei werden. Diese Zahl klingt zunächst hoch, allerdings ist der Zugang für Außenstehende stark begrenzt. Der Grund dafür ist, dass Genossenschaften ihre Wohnungen vorrangig an ihre bestehenden Mitglieder vergeben. Knapp 90 Prozent der frei werdenden Wohnungen gehen an Personen, die bereits Genossenschaftsanteile besitzen, zum Beispiel weil sie innerhalb der Genossenschaft umziehen möchten.

Folglich gelangen nur etwa 10 Prozent, also rund 1.000 Wohnungen pro Jahr, in die externe Vergabe. Für diese wenigen Angebote kann man sich bei den rund 30 Hamburger Genossenschaften auf Wartelisten eintragen lassen. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass diese Einträge regelmäßig erneuert werden müssen. Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung müssen die Daten nach sechs Monaten gelöscht werden, weshalb eine wiederholte Registrierung zwingend erforderlich ist, um auf der Liste zu bleiben.

Tipps für die Bewerbung auf Genossenschaftswohnungen in Hamburg

Wer eine der begehrten Wohnungen ergattern möchte, benötigt Geduld und eine gute Strategie. Die Konkurrenz ist groß, doch mit der richtigen Vorbereitung steigen die Chancen. Die folgenden Schritte können dabei helfen:

  • Frühzeitig Mitglied werden: Bei vielen Genossenschaften kann man bereits Mitglied werden, ohne sofort eine Wohnung zu beziehen. Je länger die Mitgliedschaft besteht, desto besser sind oft die Chancen bei der Vergabe.
  • Auf mehreren Listen eintragen: Beschränken Sie sich nicht auf eine einzige Genossenschaft. Registrieren Sie sich bei mehreren Anbietern, um Ihre Möglichkeiten zu erhöhen.
  • Hartnäckig bleiben: Denken Sie daran, Ihre Bewerbung oder den Eintrag auf der Warteliste alle sechs Monate zu erneuern. Setzen Sie sich dafür am besten eine Erinnerung im Kalender.
  • Flexibilität zeigen: Wer bei Stadtteil, Größe und Ausstattung der Wohnung flexibel ist, hat potenziell Zugriff auf mehr Angebote und verbessert somit seine Aussichten.
  • Vollständige Unterlagen: Halten Sie alle üblichen Bewerbungsunterlagen wie Schufa-Auskunft, Einkommensnachweise und eine Mieterselbstauskunft bereit, um im Fall eines Angebots schnell reagieren zu können.

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