Porzellanteppich Leuchtenburg – Was Besucher jetzt erwartet

Auf der Leuchtenburg im Osten Thüringens laufen derzeit umfangreiche Bauarbeiten, denn bis zum Sommer entsteht hier ein neuer Aufzug. Dieser soll den Besuchern zukünftig einen bequemen und barrierefreien Zugang zur historischen Anlage ermöglichen. Gleichzeitig wird in der Talstation ein einzigartiges Kunstwerk installiert, der sogenannte Porzellanteppich Leuchtenburg, der die Gäste schon bei ihrer Ankunft auf die berühmte Porzellanausstellung der Burg einstimmt.

Das beeindruckende Projekt ist eine Wandinstallation, die auf einer Fläche von 13 mal 2,5 Metern die Materialien Wolle und Porzellan miteinander verbindet. Die Stiftung Leuchtenburg hat für diese anspruchsvolle Aufgabe die beiden befreundeten Künstler Alim Pasht-Han und Murat Haschu beauftragt. Beide stammen ursprünglich aus dem Nordkaukasus, leben und arbeiten jedoch seit vielen Jahren erfolgreich in Deutschland.

Ein Kunstwerk aus zwei Welten: Porzellan und Wolle

Die Entstehung des Kunstwerks ist ein Zusammenspiel zweier Handwerkskünste, die an unterschiedlichen Orten stattfindet. Während der eine Teil in einer Manufaktur entsteht, wird der andere in einem Künstleratelier gefertigt. Erst am Ende werden beide Komponenten zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt und an der Wand der Aufzugsstation montiert.

Der Künstler Alim Pasht-Han, der sich seit zwei Jahrzehnten intensiv mit dem Werkstoff Porzellan beschäftigt, entwickelt die keramischen Elemente. Dafür arbeitet er eng mit der Porzellanmanufaktur in Reichenbach zusammen, einem Partner, der für seine Experimentierfreude bekannt ist. Gemeinsam mit der Manufaktur realisierte Pasht-Han bereits 2015 die acht Meter hohe, weltgrößte Porzellanvase, die heute ein zentrales Ausstellungsstück der „Porzellanwelten“ auf der Burg ist. Für den neuen Wandteppich fertigt er nun rund 30 fantasievolle Porzellangebilde, die er intuitiv und ohne feste Vorlage direkt aus einer rohen Porzellanplatte schneidet. Anschließend werden die komplexen, oft sternenförmigen oder kristallinen Strukturen mit flüssigem Kobalt glasiert und gebrannt, wodurch sie ihre charakteristische tiefblaue Farbe erhalten. Da die einzelnen Teile sehr groß sind, müssen sie in mehreren Segmenten gebrannt werden, was nur in den speziellen Kammeröfen einer Manufaktur möglich ist.

Parallel dazu erschafft der Künstler Murat Haschu in seinem Atelier in Halle die textile Oberfläche des riesigen Wandteppichs. Er verwendet dafür die sogenannte Tuftingtechnik. Bei diesem Verfahren wird Wollgarn mit einer speziellen „Tuftingpistole“ auf ein Trägermaterial geschossen, was deutlich schneller geht als das traditionelle Knüpfen. Haschu beschreibt diese Methode als eine Art „Malerei mit Wolle“, da sie ihm eine enorme kreative Freiheit bei der Gestaltung der farbigen Flächen gibt.

Die Inspiration: Geologische Schätze des Burgbergs

Die Idee für das außergewöhnliche Design des Wandteppichs stammt direkt aus der Natur. Die Künstler ließen sich von einem geologischen Schnitt durch den Berg der Leuchtenburg inspirieren, der die verborgenen Erdschichten sichtbar macht. Der Wollteppich bildet mit seinen Farben die verschiedenen Lagen aus Buntsandstein und Muschelkalk nach.

In diese textile Landschaft werden die blauen Porzellanelemente eingelassen, sodass sie wie schlummernde Schätze oder kostbare Mineralien im Erdreich wirken. Dadurch entsteht für die Besucher die beeindruckende Illusion, dass der Berg unterirdisch bis in die Talstation des Aufzugs hineinreicht. Laut Ulrike Kaiser, der Direktorin der Leuchtenburg, wird die Installation so zu einem echten Blickfang und stimmt die Gäste perfekt auf die Ausstellung der „Porzellanwelten“ ein.

Neuer Zugang und der Porzellanteppich Leuchtenburg: Was Besucher erwartet

Mit dem neuen Aufzug und dem Kunstwerk beginnt für die Leuchtenburg ein neues Kapitel ihrer langen Geschichte. Der barrierefreie Zugang wird es künftig allen Menschen ermöglichen, die Burg und ihre Schätze mühelos zu erkunden. Die Kabine des Aufzugs steht bereits auf den Schienen, wartet aber noch auf die finale technische Abnahme.

Voraussichtlich ab Juni wird der großformatige Porzellanteppich Leuchtenburg installiert, sodass die Besucher ihn ab dem Sommer in voller Pracht bewundern können. Wer einen Besuch plant, sollte wissen, dass die Burg ganzjährig geöffnet ist. Die Öffnungszeiten sind von April bis Oktober von 9:00 bis 18:00 Uhr und von November bis März von 10:00 bis 17:00 Uhr. Ein reguläres Ticket für Erwachsene kostet 16,50 €, während ermäßigte Karten und spezielle Tarife für Senioren ebenfalls verfügbar sind.

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