In Sachsen fördert ein neues Programm gezielt musikbegeisterte junge Menschen, die ihre Leidenschaft weitergeben möchten. Mit der Ausbildung zum Jugend-Musik-Coach in Sachsen bildet der Sächsische Musikrat derzeit dreißig Jugendliche aus. Dadurch sollen sie befähigt werden, musikalische Gruppen in Schulen, Musikschulen und Vereinen anzuleiten und so das kulturelle Leben im Freistaat aktiv zu bereichern.
Das Projekt richtet sich an Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren, die bereits über musikalische Vorkenntnisse verfügen. Die große Resonanz mit über 50 Bewerbungen für die 30 Plätze unterstreicht den Bedarf an einem solchen Angebot. Die Ausbildung ist als praxisnahe Workshopreihe konzipiert, die an fünf Wochenenden bis Juni an verschiedenen Orten in Sachsen stattfindet.
Wie die Ausbildung zum Jugend-Musik-Coach funktioniert
Das Programm ist bewusst breit aufgestellt, damit die Teilnehmenden verschiedene musikalische Bereiche kennenlernen können. In Kursen zu Orchesterleitung, Band-Coaching und Chorleitung schnuppern die angehenden Mentoren in unterschiedliche Formate hinein. Anschließend können sie sich auf den Bereich spezialisieren, der ihnen am meisten liegt, und dort ihre Kenntnisse vertiefen.
Einige Teilnehmer haben bereits klare Ziele vor Augen. Der 15-jährige Jonathan aus Lauterbach möchte beispielsweise später Kirchenmusik studieren, weshalb er hier gezielt das Leiten von Chören erlernt. Christoph aus Dresden hingegen spielt Jazz-Posaune und träumt davon, eine eigene Band oder eine Schulband zu leiten. Die Ausbildung an der Kreismusikschule in Torgau bietet ihm dafür das notwendige Rüstzeug.
Die Ziele: Nachwuchsförderung und Stärkung der Amateurmusik
Die Initiative verfolgt laut Koordinatorin Katja Mangold zwei zentrale Ziele. Einerseits soll den Jugendlichen ein Weg in professionelle Musikberufe erleichtert werden. Die Ausbildung dient als Orientierungshilfe, denn viele Teilnehmende überlegen bereits, welche berufliche Richtung sie einschlagen möchten. So nutzt die 15-jährige Helena, die Querflöte und Klavier spielt, die Chance, um neue Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen.
Andererseits soll die Amateurmusik in den Regionen gestärkt werden. Die Teilnehmenden kommen aus dem ganzen Bundesland und nehmen teils lange Anfahrtswege in Kauf. Das erworbene Wissen sollen sie direkt in ihre lokalen Kontexte einbringen, sei es im Blasorchester oder im Kirchenchor. Dadurch bereichern sie das musikalische Leben vor Ort und können beispielsweise, wie Teilnehmer Paul es sich wünscht, den Kantor vertreten oder ihre Fähigkeiten beim Singen an andere weitergeben.
Ein kooperatives Projekt für das ganze Bundesland
Die Besonderheit des Programms liegt in der engen Vernetzung bestehender Strukturen. Es ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Musikschulen, allgemeinbildenden Schulen, Hochschulen, Verbänden und der Kirchenmusik. Diese Kooperation schafft einen einzigartigen Bildungsweg, der es jungen Menschen ermöglicht, ihre musikalischen Fähigkeiten gezielt zu erweitern und weiterzugeben.
Die Workshops finden bewusst an verschiedenen Standorten in Sachsen statt, darunter Leipzig, Dresden und Colditz. Diese dezentrale Organisation sorgt dafür, dass das Programm im ganzen Freistaat präsent ist und Jugendliche aus allen Regionen erreicht. Die zahlreichen Begegnungen und der Austausch untereinander sind dabei ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.
Mehr als nur Noten: Musik als sozialer Faktor
Die Ausbildung zum Jugend-Musik-Coach vermittelt allerdings mehr als nur technisches und musikalisches Handwerk. Die Teilnehmenden lernen auch, wie Musik Menschen verbinden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern kann. Musik bietet eine Möglichkeit, sich in jeder emotionalen Lage aufgehoben und verstanden zu fühlen.
Diese soziale Kraft der Musik sollen die ausgebildeten Coaches in ihre zukünftige Arbeit einbringen. Indem sie andere Menschen für das gemeinsame Musizieren begeistern, schaffen sie wichtige soziale Räume und tragen dazu bei, dass sich Menschen weniger einsam fühlen. Deshalb hat die Förderung solcher musikalischen Multiplikatoren einen hohen Stellenwert für die Kulturlandschaft in Sachsen.
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