Lehrermangel Prämie Schleswig-Holstein: So funktioniert sie

Schleswig-Holstein bekämpft den Lehrermangel in ländlichen Regionen mit einer gezielten finanziellen Unterstützung. Insbesondere in den Kreisen Süderholsteins und an der Westküste sollen Nachwuchslehrkräfte durch eine Prämie motiviert werden, ihren Vorbereitungsdienst anzutreten. Das Modell zeigt bereits erste Erfolge, denn die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber steigt. Diese Lehrermangel Prämie Schleswig-Holstein soll helfen, die Unterrichtsversorgung flächendeckend zu sichern, stößt jedoch auch auf Kritik vonseiten der Bildungsgewerkschaft.

Ein konkretes Beispiel ist Janne Dallmeier, die nach ihrem Lehramtsstudium in Flensburg eigentlich im Norden bleiben wollte. Der finanzielle Anreiz überzeugte sie allerdings, ihren Vorbereitungsdienst im heimatlichen Kreis Steinburg zu absolvieren. Dadurch erhält sie monatlich etwa 250 € mehr Gehalt, was ihre Entscheidung maßgeblich beeinflusste.

Wie die Prämie für Referendare funktioniert

Der sogenannte Anwärtersonderzuschlag richtet sich an Lehramtsanwärterinnen und -anwärter für Grundschulen und Förderzentren. Wer sich für den Vorbereitungsdienst, das Referendariat, in einer der ausgewählten Bedarfsregionen entscheidet, bekommt einen monatlichen Zuschuss. Dadurch steigt das Referendarsgehalt von rund 1.700 € auf über 1.950 €.

Die Prämie wird in folgenden Regionen gezahlt:

  • Kreis Steinburg
  • Kreis Pinneberg
  • Kreis Segeberg
  • Kreis Dithmarschen
  • Kreis Herzogtum Lauenburg
  • Nordfriesische Inseln
  • Stadt Neumünster (nur für das Lehramt Sonderpädagogik)

Allerdings ist dieser finanzielle Vorteil an eine Bedingung geknüpft. Wer die Prämie annimmt, verpflichtet sich im Gegenzug, nach dem Abschluss des Vorbereitungsdienstes für mindestens fünf Jahre als Lehrkraft in Schleswig-Holstein zu arbeiten. Davon müssen sie mindestens 18 Monate im jeweiligen Kreis tätig sein, in dem sie ihr Referendariat absolviert haben.

Warum Schleswig-Holstein auf finanzielle Anreize setzt

Das Bildungsministerium sieht in der steigenden Nachfrage eine Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs. Im Schuljahr 2025/26 nahmen bereits 83 Referendarinnen und Referendare den Zuschlag in Anspruch, während es im Vorjahr nur 47 waren. Laut Ministerium sind landesweit ohnehin nur wenige Stellen unbesetzt, was einer Besetzungsquote von 99,75 % entspreche.

Der Hauptgrund für die ungleiche Verteilung von Lehrkräften ist die geografische Lage. Bildungsministerin Dorit Stenke erklärt, dass die Regionen um die Universitätsstädte Kiel und Flensburg bei Absolventinnen und Absolventen besonders beliebt sind. Viele Studierende bauen sich während ihrer Ausbildung ein soziales Umfeld auf und möchten die Region danach nicht mehr verlassen. Daher soll die Lehrermangel Prämie Schleswig-Holstein gezielt die Attraktivität der weiter entfernten Kreise steigern.

Kritik und weitere Forderungen der Gewerkschaft

Obwohl die Bildungsgewerkschaft GEW das Prämienmodell grundsätzlich für einen richtigen Schritt hält, sieht sie darin keine umfassende Lösung. Kerstin Quellmann, Co-Vorsitzende der GEW Schleswig-Holstein, betont, dass eine freiwillige Lösung einer zwangsweisen Abordnung an bestimmte Schulen vorzuziehen sei. Dennoch seien die 250 € allein nicht ausreichend, um den Beruf langfristig attraktiv zu machen.

Die Gewerkschaft kritisiert vor allem die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst. Viele seien mit fachfremden Verwaltungsaufgaben überlastet, die von der Buchung von Klassenfahrten bis zur Recherche günstiger Lehrmittel reichen. Diese Tätigkeiten binden wertvolle Zeit, die für die pädagogische Arbeit fehlt. Deshalb fordert die GEW neben einer besseren Bezahlung auch eine spürbare Entlastung im Schulalltag.

Weitere Maßnahmen im Kampf gegen den Lehrermangel

Neben der Prämie für den Nachwuchs versucht das Land auch, bereits ausgebildete Lehrkräfte für Bedarfsregionen zu gewinnen. Dafür wurde das Projekt „Abordnung Plus“ ins Leben gerufen. Dieses Modell bietet Lehrkräften die Garantie auf eine Stelle an ihrer Wunschschule, sofern sie zuvor drei Jahre lang an einer Schule mit hohem Personalbedarf unterrichten.

Auch dieses Projekt verzeichnet laut Ministerium wachsendes Interesse, denn im Schuljahr 2025/26 haben 42 Lehrkräfte diese Verpflichtung angetreten. Berufsverbände äußern hierbei jedoch Bedenken, da eine dreijährige Abordnung für Lehrkräfte mit Familie eine große Herausforderung darstellt. Um die Mobilität zu erleichtern, fordert die GEW außerdem, dass Partnerinnen und Partner, die ebenfalls im Lehrberuf tätig sind, eine Einstellungsgarantie in derselben Region erhalten.

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