Auf der Erfurter Krämerbrücke verbindet Martin Gobsch seit 15 Jahren Handwerkskunst mit ehrenamtlichem Engagement. In seiner kleinen Werkstatt schnitzt er Puppen aus Lindenholz, während er sich gleichzeitig unermüdlich für die Gemeinschaft der Brückenbewohner einsetzt. Für diesen besonderen Einsatz wurde er nun als Thüringer des Monats Martin Gobsch vom MDR und der Thüringer Ehrenamtsstiftung ausgezeichnet.
Seine Werkstatt ist mit nur 22 Quadratmetern zwar klein, jedoch hat sie sich zu einer echten Attraktion entwickelt. Besucher können ihm bei der filigranen Arbeit zusehen und im Schaufenster sein Theatrum Mundi bewundern, ein mechanisches Figurentheater, das Geschichten erzählt. Dadurch wird die traditionsreiche Handwerkskunst für jeden erlebbar.
Ein Künstler und sein kreatives Refugium
Die Werkstatt von Martin Gobsch ist ein verwunschener Ort, gefüllt mit Werkzeugen, Holzspänen und fast fertigen Figuren. Hier entsteht aus Lindenholz Kunst, die Menschen berührt. Er selbst empfindet es als Bestätigung, wenn Passanten eine noch unfertige Figur bereits als Märchengestalt wie die Schneekönigin erkennen, denn dann weiß er, dass seine Arbeit die richtige Form annimmt.
Sein Theatrum Mundi ist dabei mehr als nur ein Schaufensterobjekt. Es ist ein bewegliches Theater, das die Krämerbrücke um ein einzigartiges kulturelles Highlight bereichert und sowohl Touristen als auch Einheimische fasziniert. Diese öffentliche Präsentation seines Schaffensprozesses macht seine Arbeit nahbar und transparent.
Ausgezeichnetes Engagement: Warum Martin Gobsch Thüringer des Monats wurde
Die Auszeichnung erhielt Martin Gobsch jedoch nicht allein für seine Kunst, sondern vor allem für sein umfassendes ehrenamtliches Wirken. Seit einem Jahrzehnt engagiert er sich im Stiftungsrat der Krämerbrücke und vertritt dort als einer der Mietervertreter die Interessen der Anwohner und Händler. Sein Engagement geht weit über formale Pflichten hinaus.
Er organisiert Feste, kümmert sich um die Belange der Gemeinschaft und hat ein Mitspracherecht bei der Auswahl neuer Mieter. Stadtführer Roland Büttner, der ihn für die Ehrung vorschlug, beschreibt ihn als einen Macher, der das Heft selbst in die Hand nimmt, anstatt nur abzuwarten. Solche Impulsgeber sind für eine lebendige Gemeinschaft von unschätzbarem Wert.
Ein Vermittler in der Gemeinschaft
Besonders geschätzt wird Martin Gobsch für seine ruhige und ausgleichende Art. In einer eng verbundenen Gemeinschaft wie der auf der Krämerbrücke entstehen naturgemäß auch Diskussionen. Schmuckkünstlerin Ute Wolf Brinkmann und Linkshändler Heiko Hilscher heben hervor, dass Gobsch die Fähigkeit besitzt, zuzuhören und Kompromisse zu finden, die für alle Seiten tragbar sind.
Ein konkretes Beispiel zeigt seine pragmatische Vorgehensweise. Als im vergangenen Jahr über das Hissen von Regenbogenfahnen zum Christopher Street Day diskutiert wurde, gab es Bedenken, da bereits die Jubiläumsflaggen wehten. Anstatt eine lange Debatte zu führen, organisierte Gobsch kurzerhand zusätzliche Fahnenhalter, sodass beide Flaggen gleichzeitig Platz fanden und er die Situation zur Zufriedenheit aller löste.
Impulsgeber für das Brückenjubiläum 2025
Auch bei den Feierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen der steinernen Krämerbrücke im Jahr 2025 war Martin Gobsch eine treibende Kraft. Er initiierte zahlreiche Aktionen, die das Jubiläum unvergesslich machten. So setzte er sich beispielsweise für die Herausgabe einer Jubiläumsbriefmarke ein.
Außerdem sorgte er dafür, dass jedes Haus auf der Brücke eine eigene Flagge erhielt. Diese Flaggen können nun bei besonderen Anlässen gehisst werden und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner. Nils Lange von der Thüringer Ehrenamtsstiftung lobt dieses Engagement, weil es dazu beiträgt, die Attraktivität Erfurts weiter zu steigern.
Eine gelungene Überraschung für den Geehrten
Die Verleihung des Titels Thüringer des Monats Martin Gobsch wurde von den anderen Krämerbrücken-Bewohnern heimlich organisiert. Unter dem Vorwand eines Interviews zur Bilanz der 700-Jahr-Feier wurde er ins Haus der Stiftungen gelockt. Die Überraschung war vollkommen gelungen, als er stattdessen mit der Auszeichnung geehrt wurde.
Gobsch zeigte sich sichtlich gerührt und betonte bescheiden, dass viele andere ebenfalls zum Gelingen des Jubiläumsjahres beigetragen hätten. Er dankte außerdem ausdrücklich seiner Familie, deren Unterstützung ihm den Freiraum für sein umfangreiches Engagement gibt. Diese bescheidene Haltung unterstreicht seinen gemeinschaftsorientierten Charakter.
Hintergrund: Die Auszeichnung „Thüringer des Monats“
Die Aktion „Thüringer des Monats“ ist eine gemeinsame Initiative von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Seit dem Jahr 1994 werden damit monatlich Menschen gewürdigt, die sich durch außergewöhnliche ehrenamtliche Arbeit für ihre Mitmenschen in Thüringen einsetzen.
Eine Jury aus Journalisten und Stiftungsmitgliedern wählt aus zahlreichen Vorschlägen eine Person aus. Am Jahresende haben die Zuschauer und Zuhörer des MDR dann die Möglichkeit, aus allen Monatssiegern den „Thüringer des Jahres“ zu wählen. Die Auszeichnung soll die immense Bedeutung des freiwilligen Engagements für die Gesellschaft sichtbar machen.
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