F-35 Produktion in Europa: Wer was baut und warum es zählt

Europäische Nationen spielen eine entscheidende Rolle im F-35-Programm, dem fortschrittlichsten Tarnkappen-Kampfflugzeug der Welt. Dabei geht ihre Beteiligung weit über den reinen Kauf der Jets hinaus, denn die F-35 Produktion in Europa ist ein Eckpfeiler des gesamten Projekts und sichert sowohl industrielle als auch strategische Vorteile. Etwa 25 % aller Komponenten des hochmodernen Flugzeugs stammen von europäischen Rüstungs- und Technologieunternehmen.

Die internationale Zusammenarbeit wird durch das F-35 Joint Program Office (JPO) gesteuert, das ein globales Netzwerk von Industriepartnern koordiniert. Das System unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Partnerstufen, die sich nach der Höhe der finanziellen Investition und dem damit verbundenen Anteil an der industriellen Fertigung richten. Weltweit gibt es nur drei Endmontagelinien für die F-35, wobei sich neben den Standorten in den USA und Japan eine entscheidende Anlage in Italien befindet.

So funktioniert die europäische F-35-Partnerschaft

Das Kooperationsmodell des F-35-Programms orientiert sich am erfolgreichen Vorbild des F-16-Jägers aus den 1970er-Jahren, das als Blaupause für großangelegte militärische Luft- und Raumfahrtkooperationen gilt. Während damals eine Gruppe europäischer Staaten die Entwicklung mitfinanzierte und im Gegenzug Lizenzen für die Produktion erhielt, wurde dieses Konzept für die F-35 zu einem dreistufigen System erweitert. Die jeweilige Stufe hängt von den Investitionen in die ursprüngliche Entwicklungsphase, der sogenannten System Development and Demonstration (SDD)-Phase, ab.

Großbritannien ist der einzige Partner der Stufe eins, da das Land rund zwei Milliarden US-Dollar oder 10 % der gesamten Entwicklungskosten beisteuerte. Dadurch sicherte sich das Vereinigte Königreich eine größere Autonomie über seine Flugzeuge und eine tiefe industrielle Integration. Italien und die Niederlande sind Partner der Stufe zwei, denn sie investierten eine Milliarde bzw. 800 Millionen US-Dollar. Auf Stufe drei folgen Dänemark und Norwegen, die mit hunderten Millionen Dollar ebenfalls zur Entwicklung beitrugen, deren industrielle Beteiligung sich jedoch auf spezialisierte Nischen konzentriert.

Andere Länder wie Deutschland, Polen, Belgien, Finnland und die Schweiz sind als Kunden über sogenannte Foreign Military Sales (FMS) am Programm beteiligt. Einige dieser Nationen bringen sich dennoch mit kleineren Zulieferern in die Produktionskette ein, wodurch die technologische Basis in ganz Europa gestärkt wird.

Wichtige Beiträge zur F-35 Produktion in Europa

Die verteilte Fertigung stärkt nicht nur die Bündnispartnerschaft, sondern sorgt auch für robuste Lieferketten. Zahlreiche namhafte europäische Unternehmen liefern Schlüsseltechnologien und wichtige Bauteile für die gesamte globale F-35-Flotte. Die folgende Übersicht zeigt einige der wichtigsten Akteure und ihre Beiträge:

  • Großbritannien: Als wichtigster Partner liefert das Land über Firmen wie BAE Systems Schlüsselkomponenten, darunter das Heck des Flugzeugs, die Treibstoffsysteme und das elektronische Kampfführungssystem. Rolls-Royce stellt zudem das einzigartige LiftSystem für die senkrechtstartende F-35B-Variante her, während Martin-Baker die Schleudersitze für alle Jets liefert.
  • Italien: Der Luft- und Raumfahrtkonzern Leonardo betreibt die Endmontage- und Testanlage (FACO) in Cameri. Dies ist der einzige Standort außerhalb der USA, an dem die komplexe F-35B-Variante montiert werden kann. Außerdem fertigt Leonardo in Cameri komplette Flügelsätze für die globale Flotte.
  • Deutschland: Mit dem Einstieg Deutschlands in das Programm im Jahr 2026 hat Rheinmetall in Weeze eine hochmoderne Fabrik eröffnet. Dort werden hunderte Rumpfmittelteile für die F-35 produziert, was die deutsche Industrie fest in der Lieferkette verankert.
  • Norwegen: Das Unternehmen Kongsberg entwickelte den Joint Strike Missile (JSM), einen speziellen Marschflugkörper, der für den internen Waffenschacht der F-35 optimiert ist. Darüber hinaus stellt es Pylone für Luft-Luft-Raketen her.
  • Dänemark: Die Firma Terma produziert über 80 verschiedene Verbundwerkstoff- und Elektronikteile. Dazu gehört auch der Multi-Missions-Pod, ein externer Behälter für zusätzliche Sensoren oder Waffen.
  • Niederlande: Über Fokker (heute GKN) liefert das Land unter anderem Verkabelungssysteme, Fahrwerkskomponenten und bewegliche Klappen für den Rumpf.

Zusätzlich zur Produktion übernehmen europäische Standorte zentrale Aufgaben in der Wartung und Logistik. Der Stützpunkt Cameri in Italien dient als Wartungsdrehkreuz für den gesamten Mittelmeerraum. Die Niederlande beherbergen das europäische Logistikzentrum und verwalten den Ersatzteilpool für die über 500 Flugzeuge, die auf dem Kontinent stationiert sein werden.

Strategische Vorteile für die NATO und Europa

Bis zum Ende des Jahrzehnts werden über 600 F-35 unter den Flaggen verschiedener europäischer NATO-Mitglieder im Einsatz sein. Diese hohe Zahl verändert die Fähigkeiten der europäischen Luftstreitkräfte grundlegend, denn die 5. Generation von Kampfflugzeugen schafft einen vernetzten und robusten Luftverteidigungsschild. Die Kombination aus Tarnkappentechnologie, fortschrittlichen Sensoren und nahtloser digitaler Kommunikation ermöglicht eine bisher unerreichte Interoperabilität zwischen den Bündnispartnern.

Die weitverbreitete Einführung der F-35 ist auch eine strategische Antwort auf moderne Bedrohungen, insbesondere auf sogenannte Anti-Access/Area-Denial (A2AD)-Systeme. Dies sind Abwehrstrategien, die darauf abzielen, gegnerischen Kräften den Zugang zu einem Gebiet zu verwehren. Die F-35 revolutioniert die Unterdrückung feindlicher Luftverteidigungen (SEAD), da sie speziell dafür entwickelt wurde, Bedrohungen aufzuspüren und zu zerstören, um sichere Korridore für andere, weniger geschützte Flugzeuge zu schaffen.

Darüber hinaus stärkt die F-35 die nukleare Abschreckung der NATO. Als erstes Tarnkappenflugzeug der 5. Generation ist es für die Rolle als Dual-Capable Aircraft (DCA) zertifiziert. Das bedeutet, es kann sowohl konventionelle als auch nukleare Waffen tragen. Deutschland und die Niederlande ersetzen ihre veralteten Jets in dieser Rolle durch die F-35A, die die US-Atombombe vom Typ B61-12 intern transportieren kann, ohne ihre Tarneigenschaften zu verlieren.

Ein weiterer Vorteil ist die gestärkte logistische Unabhängigkeit. Durch die F-35 Produktion in Europa und die regionalen Wartungszentren entfällt die Notwendigkeit, für größere Reparaturen den Atlantik überqueren zu müssen. Dies verkürzt die Reaktionszeiten erheblich und macht die europäischen Flotten im Ernstfall resilienter.

Herausforderungen und Debatten: Die Frage der Souveränität

Trotz der engen Zusammenarbeit gibt es auch Reibungspunkte. Ein zentraler Streitpunkt ist die technologische Abhängigkeit von den USA, insbesondere bei der Software. Die Systeme der F-35 werden oft als „Black Boxes“ bezeichnet, da die Partnernationen keinen eigenständigen Zugriff auf den Quellcode haben. Dadurch können sie weder unabhängige Modifikationen vornehmen noch nationale Waffensysteme ohne Zustimmung der USA integrieren.

Diese Problematik führt in Europa immer wieder zu Debatten über die nationale Souveränität. Einige Politiker äußern die Sorge vor einem theoretischen „Kill Switch“, mit dem die USA über Software-Updates die Flugzeuge ihrer Verbündeten lahmlegen könnten. Obwohl das Pentagon und der Hersteller Lockheed Martin die Existenz eines solchen Schalters vehement bestreiten, bleibt die Sorge ein politisches und strategisches Thema.

Die Debatte wird dadurch befeuert, dass Israel als einziges Partnerland die Erlaubnis erhalten hat, eine eigene, unabhängige Kommando- und Steuerungssoftware sowie nationale Waffensysteme auf seiner F-35I „Adir“ zu installieren. Die Weigerung der USA, NATO-Verbündeten wie Großbritannien oder Deutschland ein ähnliches Maß an Software-Souveränität zu gewähren, bleibt ein beständiger Reibungspunkt innerhalb des Bündnisses.

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