In Rorschach hat die Realisierung für einen komplett neuen Stadtteil begonnen, denn die Bagger sind bereits aufgefahren. Durch den Abriss von drei Häusern im Geviert zwischen Dufour-, Rhätier- und Feldmühlestrasse entsteht nun sichtbar Platz für das Grossprojekt „Stadtbahnhof Süd“. Dieses Vorhaben bildet den Auftakt für ein urbanes Quartier, das modernes Wohnen mit neuen Arbeits- und Gewerbeflächen verbinden soll.
Das Projekt „Stadtbahnhof Süd“ im Detail
Die geplante Überbauung westlich der Velounterführung besteht aus zwei separaten Gebäudekörpern. Während ein neunstöckiges Hochhaus direkt an der Feldmühlestrasse 38 entstehen wird, ist ein zweiter, länglicher Bau parallel zu den Bahngleisen an der Dufourstrasse 6 und 8 vorgesehen. Insgesamt schafft das Projekt Raum für 55 neue Mietwohnungen sowie für Büros und Gewerbe.
Zwei wichtige Mieter stehen bereits fest, wodurch die zukünftige Nutzung konkret wird. Die Supermarktkette Coop wird im Erdgeschoss des Hochhauses eine neue Filiale eröffnen. Außerdem zieht die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) der Region Rorschach in das erste Obergeschoss und einen Teil des Erdgeschosses im Längsbau ein. Weitere Gewerbeflächen sind im Erdgeschoss dieses Gebäudes geplant.
Der Wohnungsmix ist vielfältig gestaltet, um unterschiedliche Bedürfnisse zu erfüllen. Er umfasst:
- 11 möblierte Studios
- 20 Wohnungen mit 3,5 Zimmern
- 12 Wohnungen mit 2,5 Zimmern
- 12 Wohnungen mit 4,5 Zimmern
Für den Individualverkehr sind in den beiden Untergeschossen 77 private Tiefgaragenplätze sowie 10 Abstellplätze für Motorräder vorgesehen. Die Zufahrt zum neuen Areal erfolgt über die Dufourstrasse, die weiterhin als Einbahnstrasse geführt wird, und über die Rhätierstrasse.
Herausforderungen und Zeitplan der Bauarbeiten
Der Bau erweist sich als technisch anspruchsvoll. Insbesondere die direkte Nähe zu den SBB-Gleisen erfordert besondere Schutzmassnahmen, um die Sicherheit während der gesamten Bauphase zu gewährleisten. Zudem müssen zahlreiche unterirdische Leitungen umgelegt werden, was die Vorbereitungsarbeiten komplex gestaltet.
Aufgrund der knappen Platzverhältnisse auf der Baustelle müssen die Arbeiten schrittweise erfolgen. Architekt Hans Bereuter weist darauf hin, dass daher für die Öffentlichkeit zunächst wenig Fortschritt sichtbar sein wird, bis die Gebäude in die Höhe wachsen. Wenn alles nach Plan verläuft, sollen die Vorbereitungsarbeiten bis August 2026 abgeschlossen sein. Die Fertigstellung der gesamten Überbauung ist für November 2028 geplant.
Ein neuer Stadtteil für Rorschach: Die Vision dahinter
Das Projekt „Stadtbahnhof Süd“ ist nur ein Teil einer grösseren Vision, denn südlich des Bahnhofs soll nichts Geringeres als ein komplett neuer Stadtteil für Rorschach entstehen. Ein weiteres zentrales Element ist die Überbauung des benachbarten Feldmühleareals, für die ebenfalls eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegt. Dort sollen auf einer Fläche von über 27.000 Quadratmetern 308 Eigentums- und Mietwohnungen sowie weitere Gewerbe- und Handelsflächen entstehen, allerdings ist der Baubeginn hierfür noch offen.
Die Stadtplanung zielt darauf ab, nicht nur Häuser zu errichten, sondern auch öffentliche Räume und Plätze zu schaffen. Der bisher als Bahnhofplatz Süd bekannte Bereich wird zum neuen Rhätierplatz. Mit dem Bau von „Stadtbahnhof Süd“ kann bereits der nördliche Teil dieses Platzes realisiert werden. Die volle räumliche Wirkung wird sich jedoch erst entfalten, wenn die Mauer zum Feldmühleareal fällt und das Gelände geöffnet wird. Dadurch soll die Feldmühlestrasse zukünftig als eine Art Begegnungszone – also ein verkehrsberuhigter Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität – wahrgenommen werden.
Ausblick und weitere Entwicklungen im Umfeld
Die vollständige Umsetzung des neuen Stadtquartiers hängt stark von der Realisierung des Feldmühleareals ab. Solange dieses Projekt noch nicht gestartet ist, können auch die öffentlichen Plätze nur teilweise fertiggestellt werden. Die Entwicklung des gesamten Areals ist somit ein langfristiges Vorhaben, das das Stadtbild von Rorschach nachhaltig prägen wird.
Auch andere Flächen im Umfeld werden in die Planung einbezogen. Der Bäumlistorkelplatz nördlich der Gleise dient momentan als Installationsplatz für Baumaschinen und Material, primär im Zusammenhang mit Arbeiten am Wärmeverbund. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, ist dort die Pflanzung von Bäumen vorgesehen, um die Aufenthaltsqualität weiter zu steigern.
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