Chefs mit ADHS: Erfolgreich führen und Stärken nutzen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, besser bekannt als ADHS, wird oft mit Schwierigkeiten in der Schule oder im Alltag von Kindern verbunden. Doch die neurologische Besonderheit verschwindet nicht einfach im Erwachsenenalter und kann daher auch bei Führungskräften eine Rolle spielen. Für Chefs mit ADHS stellt dies sowohl eine Herausforderung als auch eine Quelle ungeahnter Stärken dar, die Unternehmen bereichern können.

ADHS äußert sich bei Erwachsenen oft anders als bei Kindern. Während die äußere Unruhe abnehmen kann, bleiben innere Getriebenheit, Konzentrationsprobleme bei Routinetätigkeiten und Impulsivität häufig bestehen. Viele Betroffene entwickeln über Jahre hinweg jedoch effektive Strategien, um diese Hürden zu meistern. Deswegen wird eine Diagnose oft erst spät im Leben gestellt.

Wie ADHS den Führungsalltag prägt

Für eine Führungskraft mit ADHS können alltägliche Managementaufgaben zur Herausforderung werden. Dazu gehören beispielsweise das Einhalten von Terminen, das strukturierte Abarbeiten von Aufgabenlisten oder das lange Stillsitzen in Meetings. Die Schwierigkeit, Prioritäten zu setzen und eine klare Linie beizubehalten, kann ebenfalls zu den Symptomen gehören. Ansagen können sich kurzfristig ändern, was für Mitarbeiter ohne Kontext schwer nachvollziehbar ist.

Auf der anderen Seite besitzen viele dieser Manager besondere Fähigkeiten. Sie sind oft sehr kreativ, denken unkonventionell und finden dadurch innovative Lösungen für komplexe Probleme. Ihre hohe Energie und Begeisterungsfähigkeit können zudem ganze Teams motivieren und mitreißen, während eine hohe Reizoffenheit sie befähigt, viele Informationen gleichzeitig zu verarbeiten und schnell auf Veränderungen zu reagieren.

Stärken nutzen und Schwächen managen

Der Schlüssel zum Erfolg für Chefs mit ADHS liegt darin, die eigenen Stärken gezielt einzusetzen und für die Schwächen passende Strukturen zu schaffen. Ein dynamisches Arbeitsumfeld, in dem Kreativität und schnelles Handeln gefragt sind, kommt Menschen mit ADHS oft entgegen. Eintönige Routineaufgaben hingegen können demotivierend wirken und sollten, wenn möglich, delegiert werden.

Viele erfolgreiche Führungskräfte mit ADHS nutzen ihre Fähigkeit zum sogenannten Hyperfokus. Das bedeutet, dass sie sich extrem intensiv und ausdauernd auf eine Aufgabe konzentrieren können, die ihr Interesse weckt. Dieser Zustand ermöglicht herausragende Leistungen in kurzer Zeit. Allerdings besteht dadurch auch die Gefahr, sich zu überarbeiten und in ein Burnout zu geraten, weshalb ein bewusster Ausgleich wichtig ist.

Tipps für einen erfolgreichen Umgang

Ein offener Umgang mit der Diagnose kann helfen, Missverständnisse im Team zu vermeiden. Wenn Mitarbeiter die Hintergründe für bestimmte Verhaltensweisen kennen, können sie besser darauf reagieren und unterstützen. Allerdings ist diese Entscheidung sehr persönlich und hängt stark vom Unternehmensklima ab.

Um den Arbeitsalltag zu strukturieren, haben sich einige Strategien bewährt:

  • Klare Strukturen schaffen: Feste Termine, detaillierte Tagesordnungen für Meetings und schriftliche Anweisungen geben Sicherheit und Orientierung.
  • Aufgaben portionieren: Große Projekte in kleinere, überschaubare Arbeitspakete aufzuteilen, erleichtert den Einstieg und die Fertigstellung.
  • Pausen einplanen: Regelmäßige kurze Pausen helfen, die Konzentration aufrechtzuerhalten und einer Überreizung vorzubeugen.
  • Unterstützung suchen: Ein Coaching kann dabei helfen, individuelle Strategien zu entwickeln und die eigenen Stärken weiter auszubauen.

Unterstützung durch das Unternehmen

Auch Unternehmen können viel tun, um das Potenzial ihrer neurodivergenten Führungskräfte zu fördern. Eine flexible Arbeitsgestaltung, zum Beispiel mit Homeoffice-Möglichkeiten, kann den individuellen Bedürfnissen entgegenkommen. Wichtig ist vor allem eine Kultur des Verständnisses und der Wertschätzung, in der nicht die Schwächen im Vordergrund stehen, sondern die einzigartigen Fähigkeiten, die Chefs mit ADHS einbringen.

Eine gezielte Sensibilisierung innerhalb des Unternehmens kann außerdem Vorurteile abbauen. Wenn neurologische Vielfalt als Stärke begriffen wird, profitieren letztlich alle davon. Denn oft sind es gerade die unkonventionellen Denkweisen, die zu entscheidenden Innovationen und Fortschritten führen.